VIER JAHRE HÖLLE UND ZURÜCK

HIC SAPIENTIA EST : QUI HABET INTELLECTUM COMPUTET NUMERUM BESTIAE NUMERUS ENIM HOMINIS EST ET NUMERUS EIUS EST SESCENTI SEXAGINTA SEX

SANCTA ECCLESIA CATHOLICA

 

Vier Jahre Hölle und zurück

ISBN 3-404-25593-3

Deutsche Erstveröffentlichung

Achtung, Realität, Sie lesen keinen Roman!!!

Lukas hält sich für clever, stark und abgebrüht. Bis er, gerade 15 geworden, in den Klauen einer der mächtigsten Satanssekten Deutschlands gerät. Seine erste Lektion: Wer aussteigt muss sterben.

Seite 11

»Von dem, was in diesem Buch steht, glaube ich kein Wort. – So etwas gibt es doch in Wirklichkeit nicht, doch nicht hier bei uns in Deutschland. «

Das werden vielleicht Ihre Gedanken sein, wenn Sie dieses Buch gelesen haben. Es ist die Wirklichkeit. Auch wenn uns so etwas unbekannt, vor uns verborgen ist und nur gelegentlich spektakulär an die Öffentlichkeit gelangt. Auch wenn es unglaublich und unfassbar erscheint: Was dieses Buch erzählt, ist ein Stück unserer Wirklichkeit.

Seite 172-179

Nun landete ich doch in Amerika – allerdings nicht, um Daniela zu besuchen. Etwa drei Monate nach ihrer Abreise schickte mich unser Priester (Anm. Satanspriester) wieder über den großen Teich zu einem weiteren Lehrgang. Diesmal flog ich mit äußerst gemischten Gefühlen nach Fort Lauderdale (Florida). Einerseits freute ich mich auf das türkisgrüne, lauwarme Meer, den herrlichen Sandstrand und die verrückten jungen Leute auf der Strandpromenade, andererseits hatte ich irrsinnigen Schiss vor dem Unterricht.

Was auf mich zukommen würde, wusste ich auch diesmal nicht genau. Ich ahnte es, aber bestätigen ließ sich mein Verdacht nicht, denn aus Peter hatte ich keine Einzelheiten über seinen zweiten USA-Kurs herausbekommen können. Trotz unserer Vertrautheit wagte er es nicht, sich den eisernen Regeln des Satanismus zu widersetzen. Und ich als Eingeweihter musste das akzeptieren.

Es gehört nun mal zur Taktik der Satanisten, die Mitglieder über sämtliche zukünftige Ereignisse im unklaren zu lassen. Das ist die einzige Möglichkeit, die Leute bei der Stange zu halten. Wenn sie schon vorher wüssten, was sie erwartet …, vermutlich würden alle Prüflinge schnell die Kurve kratzen. Wenn ich zum Beispiel vor meiner ersten Prüfung gewusst hätte, dass ich einen lebenden Hamster würde essen müssen – ich wäre ganz bestimmt nicht hingegangen. Also blieben mir auch vor diesem Amerikatrip nur meine üblen Ahnungen und das Warten.

Aber ganz so naiv wie sonst immer war ich nicht mehr. Bei diesem Lehrgang konnte es sich nur um das Abschlachten von unschuldigen Menschen handeln. Doch auch diesmal schaffe ich es, mich um diese Einsicht herumzumogeln. Wieder schob ich diese düsteren, quälenden Gedanken beiseite. Verbot mir einfach, sie zu Ende zu denken. Lieber freute ich mich auf das kleine Stückchen Abenteuer in form von Sonne, Strand und Palmen – das war einfacher und viel ermunternder. Schließlich hätte ich mir eine so kostspielige Reise ohne diesen Geheimbund niemals leisten können.

Es klappte nicht lange mit dem Verdrängen, denn gleich am ersten Kursabend wurden meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Das Thema des Lehrgangs hieß: »Wie töte ich einen Menschen? Rituelle Tötung und Foltertechnik in Theorie und Praxis« Und das zwei Stunden täglich, zehn Tage lang, in einem Kühlraum bei den Docks, wo auch die Messen (Anm. Satansmessen) abgehalten wurden. Ich biss die Zähne zusammen und konzentrierte mich darauf, jeden störenden, zweifelnden Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen. Keine einfache Sache: Siedendheiß fielen mir nämlich wieder die telepathischen Fähigkeiten der amerikanischen Priester (Anm. Satanspriester) ein. Ich beschloss, bloß nicht aufzufallen. Vielleicht ließen sie mich dann diesmal in Ruhe.

Zuerst mussten wir die menschliche Anatomie büffeln. Das war schlimmer als in der Schule. Aber irgendwie war es doch spannend zu erfahren, welchen Knochen man einem Menschen brechen kann, ohne ihn für immer zum Krüppel zu machen. Oder wie man Schläge so dosiert und platziert, dass sie zwar gehörig weh tun, aber keinerlei Spuren beim Opfer hinterlassen.

Die Foltertechniken dagegen fand ich reichlich beklemmend – zahlreiche, ausgefeilte Spielarten an Grausamkeit, die besonders Abtrünnigen blühen konnten. Zum Glück wurden die praktischen Übungen nicht an lebenden Menschen, sondern an Leichen durchgeführt. Im krassen Gegensatz zu all den Schauerlichkeiten stand das Fach Heilkunde. Da wurde nicht die Gewalt, sondern die Kraft der Natur gelehrt. Mit Erstaunen lernte ich da, wie man mit gewissen Kräutern innerhalb von Stunden offene Wunden verschließen und mit extra zusammengebrauten Tees und Salben Knochenbrüche in wenigen Tagen kurieren konnte. Jeden Abend, nach dem Unterricht, mussten wir auch noch eine schwarze Messe über uns ergehen lassen. Sie waren kurz, hart und brutal, denn die amerikanischen Priester (Anm. Satanspriester) gaben sich nicht mit lächerlichen Tieropfern ab. Täglich mussten sie ihre Allmacht demonstrieren, täglich präsentierten sie Satan ein Menschenopfer. Bei uns in Deutschland gab es das nur bei besonderen Anlässen wie Walpurgisnacht, Sonnenwende, Weihnachten oder besonderen satanischen Festtagen.

Jeden Tag ein Toter. Ich begriff nicht, wie sie das hinkriegten. Warum war es für unsere amerikanischen Glaubensbrüder so leicht, menschliche Opferware herbeizuschaffen? Wieso wurden diese Menschen nicht vermisst? Jeden Tag kaufte ich mir eine Zeitung und durchsuchte sie nach Bildern von Vermissten. Das Wort »missing« (vermißt) schlug ich dafür im Wörterbuch nach. Doch nicht eines der vielen Gesichter, die sich bei diesen nächtlichen Schlächtereien in mein Gedächtnis gebrannt hatten tauchte je in einem Zeitungsartikel auf. Unsere Opfer blieben namenlos. Niemand suchte sie, niemand vermisste sie. Wie das sein kann, verstehe ich bis heute nicht. Darüber konnte ich nur spekulieren: Vielleicht hatte es etwas mit der großen Isolation und Vereinsamung vieler Amerikaner in den Großstädten zu tun. Millionen leben in riesigen, anonymen Singleappartmenthäusern nebeneinander, sie kennen sich weder, noch kümmern sie sich untereinander.

Die Ami-Priester nutzten die Messen allerdings nicht nur für qualvolle Hinrichtungen, manchmal wurde vorher auch noch bestraft. Aber kräftig. Eine dieser Züchtigungen habe ich miterlebt:

An jenen Abend erwischte es einen Abtrünnigen. Die versammelte Gemeinde, an die hundert Leute, bildeten ein etwa zwanzig Meter langes Spalier vom Eingang der Kühlhalle bis zum Altar. Ich wusste zwar nicht, was jetzt passieren sollte, doch ich reihte mich ein, ein paar Meter vom Altar entfernt. Niemand sprach ein Wort, die Atmosphäre war gespannt und erwartungsvoll.

Plötzlich flog die Eingangstür auf. Draußen standen zwei Schergen, die einen zappelnden Mann an den Armen festhielten. Er trug nichts außer einer kleinen, weißen Unterhose. Sie katapultierten ihn über die Schwelle und er landete auf allen Vieren auf dem harten Zementboden der Halle. Als er sich wieder hochrappelte, sah ich seinen verängstigten, fast irren Blick. Seine halblangen Haare waren schweißverklebt. Angstschweiß, urteilte ich mit Kennerblick. Bei seinem unfreiwilligen Auftritt hatte die Menge zu gröhlen begonnen. Buhrufe und infame Beleidigungen wurden ihm entgegengeschleudert.

Doch dabei blieb es nicht: Mit Baseballschlägern, Knüppeln, Peitschen und Messern griffen einige der Satanisten den wankenden Mann an. Er versuchte, seinen Körper mit den Armen zu schützen, duckte sich weg, doch es gab kein Entrinnen aus dem Spalier: Hinter dem Abtrünnigen standen mit verschränkten Armen die zwei hünenhaften Häscher. Er musste hindurch, durch die Gasse aus geifernden, spottenden, prügelnden und hasserfüllten Unmenschen. Sobald der Mann zögerte weiterzugehen, verpasste ihm einer der Schergen einen unerbitterlichen Stoß in den Rücken. Der Unglückliche stolperte vorwärts, schlagende, boxende, tretende Männer und beißende, kratzende Frauen trieben ihn weiter voran.

Als er endlich bei mir ankam, torkelte er nur noch, fast besinnungslos und mit hängendem Kopf. Fürchterlich war er zugerichtet: Messerschnitte hatten klaffende Wunden in seinen Körper gerissen, sein Gesicht war grün und blau geschlagen, seine Handgelenke und Arme angeschwollen, weil man ihm die Knochen zertrümmert hatte. Ich hatte keine Waffe bei mir, doch ich wollte den anderen in nichts nachstehen. Ich krallte mir diesen jämmerlichen Waschlappen und drosch und trat gezielt auf ihn ein, so, wie ich es gelernt hatte – bis man mich von ihm wegzerrte. Noch keuchend von der Anstrengung registrierte ich, dass sie ihn danach zum Altar schleppen mussten. Wahrscheinlich habe ich ihm beide Kniescheiben zertrümmert.

Mein Einsatz befriedigte mich, ich empfand große Genugtuung – und nicht ein bisschen Mitleid. Schließlich wollte sich der Kerl von Satan abwenden. Unseren Herrn und Meister verleumden. Da hatte es der Typ nicht besser verdient. Amerika hatte mich hart gemacht.

Die beiden Schergen hievten den geschundenen Kerl auf den Opfertisch. Sie ketteten ihn nicht einmal an, weglaufen konnte der sowieso nicht mehr. Jetzt erst erschien der Priester. Er reinigte den blutigen verschmierten Körper und murmelte dabei ununterbrochen lateinische Verse. Etwa eine Stunde lang. Auf Geheiß des Priesters trat dann einer der Dämonen (Schergen) heran und schüttete dem Ohnmächtigen einen Kübel voll Wasser ins Gesicht. Prustend und jammern kam der Abtrünnige wieder zu sich. Ein letztes Mal. Denn jetzt vollzog der Priester mit einem Dolch die Hinrichtung. Dann war es endlich still.

Neben dem Lehrgang und den Messen hatte ich jede Menge Freizeit. Diesmal gewährte man mir genau soviel, wie sie Peter schon vergangenes Jahr genossen hatte. Tagsüber konnte ich tun und lassen, was mir Spaß machte. Niemand schien mich zu kontrollieren. Doch man gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass ich für so viel Freizügigkeit auch »Opferware« heranzuschaffen hatte. Schließlich würde ich ausgiebig Zeit haben, geeignete Kontakte zu knüpfen. Wie das abzulaufen hatte, wusste ich: Man spricht junge Ausreißer oder Penner an, unterhält sich freundlich mit ihnen und lädt sie für den Abend zu einer Party an den Docks ein. Das Lockmittel, das bei solchen Leuten garantiert immer zieht: kostenloses Essen und Trinken. Sobald man mit seiner Neuerwerbung am vereinbarten Treffpunkt auftaucht, wird sie von den Dämonen (Schergen) des Herrn übernommen. Und wenn man sie dann bei der Messe wieder sieht, liegt sie mit Drogen vollgedröhnt auf den Altar. Auf dem Weg ins Reich der Finsternis.

Aber auch diesmal habe ich dieses »Anschaffen« nicht fertig gebracht.

Okay, probiert hab ich’s. Halbherzig suchte ich nach jemanden, der mir total unsympathisch wäre. Doch die Amerikaner waren alle so offenherzig und freundlich. Nicht einmal unter den Bettlern und Säufern fand ich einen Widerling. Einen, um den es nicht schade gewesen wäre. Doch wer war ich überhaupt, dass ich eine dermaßen schwerwiegende Entscheidung treffen konnte? Eine Entscheidung über Leben und Tod! Darüber, ob einer es wert war, weiterzuleben und ein anderer nicht? Wenn ich mir wirklich eine Person ausguckte und sie ans Messer liefert – ich wäre ein Mörder! Zumindest Anstiftung zum Mord hätte man mir dann anhängen können. Und das hätte mir schon gereicht, um mich selbst als Mörder zu fühlen. Auch wenn ich das Messer nicht selbst geführt hatte.

Außerdem waren wir in Amerika: Hier gab es noch die Todesstrafe. Wer wollte mir schon garantieren, dass meine »Brüder« mich im Ernstfall nicht an die US-Justiz verraten würden? Dann würde ich auf dem elektrischen Stuhl landen. Für ein Verbrechen, zu dem man mich gezwungen hatte. Würde ich das beweisen können? Nie und nimmer!

Verloren und nachdenklich stand ich am Strand von Fort Lauderdale, umgeben von lauter lebenslustigen, fröhlichen Menschen. Es war verrückt: Jetzt hatte ich sie endlich, die Macht über andere Menschen, über ein Menschenleben. Das, was ich immer gewollt hatte. Was ich zu brauchen meinte, um mich gut zu fühlen. Nur von mir hing es ab, ob das vielleicht sechzehnjährige Mädchen im bunten Bikini oder der langhaarige Typ da drüben mit dem Frisby heute Nacht sterben würde oder nicht.

Wenn Sie zu dieser Thematik mehr wissen wollen, dann haben Sie die Möglichkeit dazu unter: http://www.relinfo.ch/satanismus/lukas.html oder sie geben unter www.google.de Vier Jahre Hölle und zurück ein, dort finden Sie eine Menge von anderen Seiten!

 

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- Schwester Josefa Menéndez Visionen und Abstieg in die Hölle >

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