SPIRITISMUS ODER TOTENBESCHWÖRUNG

HIC SAPIENTIA EST : QUI HABET INTELLECTUM COMPUTET NUMERUM BESTIAE NUMERUS ENIM HOMINIS EST ET NUMERUS EIUS EST SESCENTI SEXAGINTA SEX

SANCTA ECCLESIA CATHOLICA

 

Der Spiritismus oder die Totenbeschwörung

Der oberste Exorzist der Diözese Rom Pater Gabriele Amorth spricht über die Totenbeschwörung

(Von Pater Gabriele Amorth)

Aus dem Buch: «Exorzisten und Psychiater» (Seite 82 – 87)

ISBN 3-7171-1092-6 Christiana-Verlag

Bestellmöglichkeit Tel.: 08671 – 12015 / Altötting

 Eine weitere Verzweigung des Okkultismus ist der Spiritismus oder die Totenbeschwörung.

Von Spiritismus zu sprechen heißt, ein sehr aktuelles Thema aufzugreifen, das ein heutzutage besonders unter Jugendlichen um sich greifendes Übel in den Blick nimmt. Wir sind da mit einem Übel konfrontiert, das wiederum Frucht eines mangelnden Glaubens ist. Die Wahrheit wird auf krummen Wegen gesucht, weitab von einer Hinwendung zu dem einzigen Meister. Es handelt sich auch um ein Thema mit vielen Windungen und vielerlei Folgen. Deshalb wollen wir auch verschiedene Abschweifungen vom Thema zulassen, so sehr wir uns eigentlich auf das beschränken möchten, was uns von praktischen Nutzen erscheint.

Was ist Spiritismus?

Es bedeutet, Verstorbene oder Geister zu beschwören, um sie zu befragen. Beschwören, das heißt ihre Anwesenheit, sei sie auch unsichtbar oder spürbar, hervorzurufen, aber immer, um ihnen Fragen zu stellen, die sie beantworten sollen. Verstorbene oder vielmehr die Seelen von Verstorbenen zu beschwören, ist eine klare Vorstellung. Dasselbe kann man nicht von Geistern behaupten. Wir kennen die reinen Geister, die Engel, die alle von Gott gut erschaffen worden waren. Wir wissen auch, dass eine Anzahl von ihnen, die sich gegen Gott aufgelehnt hat, sich in Dämonen verwandelte. Mehr wissen wir nicht.

Die Spiritisten sprechen auch von «Leitgeistern», von nicht genauer identifizierten Wesenheiten, oder sie zitieren weitere Namen, die offensichtlich der Fantasie entspringen. Es handelt sich also um ganz und gar gegenstandslose menschliche Erfindungen.

Wir wollen auch gleich dazu sagen, dass es seit Menschengedenken bereits Spiritismus gibt. Wir finden in allen Völkern – schon den allerältesten – das Verlangen und den Versuch, vor allem mit den Verstorbenen zu sprechen, wobei die Methoden und die Personen jeweils der soziokulturellen Geisteshaltung der Zeit und des Volkes entsprechen.

Ich möchte dabei einen positiven Aspekt dieser Versuche hervorheben. Er ist bedeutsam und zum Teil berechtigt für denjenigen Teil der Menschheit, der das Licht der Offenbarung nicht hat: Man kann daran eine angeborene Überzeugung von der Unsterblichkeit der Seele ablesen, lange bevor große Philosophen und Denker rationale Überlegungen darüber anstellten.

Warum nun diese Sehnsucht, mit den Verstorbenen zu sprechen? Was sind die Hauptgründe dafür? Ich glaube, wir können sie folgendermaßen zusammenfassen:

  • Neugier, auszuprobieren, ob eine solche Praktik funktioniert und wenn ja, was man dabei erfährt, was einem gesagt oder besser geantwortet wird; zu erfahren, ob es wirklich ein Jenseits gibt und gegebenenfalls, wie es beschaffen ist, wie man dort lebt.
  • Ein zweiter Grund kann die Zuneigung zu der verstorbenen Person sein, von der man sich nicht trennen möchte. Das Verlangen, mit ihr zu sprechen, zu erfahren, wie es ihr geht, um sie lebendig und nahe zu wissen.
  • Ein weiterer wichtiger Grund ist das Interesse am Zukünftigen, wovon man annimmt, dass Verstorbene es wissen. Man möchte etwas erfahren oder sich in Augenblicken des Zweifels raten lassen, was am Besten zu tun sei, welche Entschlüsse man fassen solle.
  • Ich füge noch einen anderen Grund an für den Fall der Geisterbeschwörung: das Verlangen nach Schutz, unter den man sich stellen möchte, oder nach besonderer Macht, über die man zum eigenen Nutzen oder zur eigenen Verwendung verfügen will.

Ich meine, dass jedem Gläubigen, der das große Geschenk erhalten hat, die geoffenbarten Wahrheiten zu besitzen, die Gründe vollkommen klar sind, weshalb die gesamte Bibel, das Alte und Neue Testament, und mit diesen die Kirche jede Form von Spiritismus verbieten. Der Gläubige sucht und findet die Antworten auf seine Zweifel in den Worten Gottes. Gott hat gesprochen. Wahrheiten in der außerirdischen Welt suchen zu wollen, ohne sich an Gott zu wenden, sondern auf krummen Wegen menschlicher Tricks, ist eine schwere Sünde gegen das Erste Gebot. Man stürzt sich in den Aberglauben, irrt von der Wahrheit ab, um sich im Irrtum zu verlieren.

Woher kommen die Antworten in spiritistischen Sitzungen? Es können Taschenspielertricks sein, Suggestionen, paranormale Phänomene oder auch teuflischen Eingebungen. Deshalb urteilt hier die Bibel sehr hart. Man braucht nur die starken Worte zu zitieren, auf die wir noch öfter zurück kommen werden: «Niemand finde sich bei dir, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt. Denn jeder, der so etwas tut, ist dem Herrn ein Gräuel. Wegen dieser Gräuel vertreibt sie der Herr, dein Gott, vor dir. » (Heilige Schrift / Deuteronomium 18, 10-12)

Und genauso klar sind die kirchlichen Verurteilungen. Ich beschränke mich darauf, eine von ihnen zu zitieren: «Es ist nicht erlaubt, mit Hilfe eines Mediums oder ohne Medium, mit Hilfe von Hypnose oder ohne Hypnose an spiritistischen Sitzungen oder Veranstaltungen teilzunehmen, auch dann nicht, wenn sie sich einen ehrlichen oder frommen Anstrich geben; auch darf man nicht Seelen (Verstorbener) oder Geister befragen oder deren Antworten anhören; man darf auch nicht als Beobachter daran teilnehmen» (Heiliges Offizium vom 24. April 1917).

Das ist für unsere Zeit eine besonders umfassende und zutreffende Auskunft. Wenn beispielsweise gesagt wird «mit oder ohne Medium», scheinen darin schon unsere Tage vorweggenommen zu sein, in denen spiritistische Sitzungen besonders mit dem Spiel von Gläsern oder Münzen, mit dem Tonband, dem Fernsehgerät, dem Telefon, dem Computer und vor allem mit automatischem Schreiben betrieben werden. Und wenn gesagt wird «auch wenn sie sich einen ehrlichen oder frommen Anstrich geben», scheint die Anordnung gewisse Formen und Bewegungen vorgesehen zu haben, etwa vom Typ Movimento della Speranza (Bewegung der Hoffnung), worauf wir später noch einmal zurückkommen wollen.

Jetzt möchten wir uns noch einmal die positive Seite in Erinnerung rufen, das heißt, was die Offenbarung bezüglich der Verstorbenen sagt: Sie sagt, dass die Seelen der Verstorbenen entweder sofort in das himmlische Paradies oder in das Fegfeuer oder in die Hölle kommen. Das wird auch von zwei ökumenischen Konzilien, demjenigen von Lyon und dem von Florenz, als Wahrheit verkündet. Das schließt nicht aus, dass diese Lehre noch weiter präzisiert werden kann. Die Vorstellung der Bibel darüber sind jedoch eindeutig und reich an praktischen Konsequenzen. Ich nenne hier die hauptsächlichste: Wir haben nur dieses eine Leben lang Zeit zur Erprobung; danach gibt es keine Neuauflage. Das Evangelium drückt das eindeutig aus. Deshalb ist die Fabelei von der Reinkarnation (Wiedergeburt), an welche die großen orientalischen Religionen und heute auch wenigstens ein Viertel der Italiener glauben, unannehmbar. Sie steht in eindeutigem Widerspruch zum Glauben an die Auferstehung, die Grundlage der christlichen Lehre. Die Nichtgläubigen mögen vielleicht Rechtfertigungsgründe für ihre Annahme finden, vielleicht ist ihnen die Vorstellung einer Reinkarnation durch die Eingebung von der Unsterblichkeit der Seele gekommen. Für Jemanden jedoch, der die göttliche Offenbarung erhalten hat und an die durch Christi Auferstehung verdiente Auferstehung des Fleisches glaubt, ist es ein unverzeihlicher Irrtum.

Unser Glaube sagt uns auch etwas über die Tätigkeit der Seelen der Verstorbenen – wir verweisen auf das Dogma (Glaubenssatz) von der Gemeinschaft der Heiligen. Es sagt uns, dass die sich im Paradies befindenden Seelen unsere Gebete aufnehmen und Fürsprache für uns halten können. Die Seelen im Fegfeuer können unsere Suffragien (das heißt unsere Fürbitten / Gebete / Heilige Messen und alles was wir für die Verstorbenen Seelen aufopfern bei Gott) empfangen und uns Gnaden erbitten. Das geschieht nicht unmittelbar, sondern über Gott. Daher dürfen wir annehmen, dass unsere verstorbenen Lieben über unser Tun unterrichtet sind. Wir wollen auf ein kleines Detail aus dem Gleichnis vom reichen Prasser verweisen: Obwohl Lazarus in Abrahams Schoß (der hier Gott darstellt) sieht, wendet er sich niemals direkt an Lazarus, sondern immer an Abraham: «Sag doch Lazarus …» Zwischen uns und den Verstorbenen ist nämlich ein unüberwindlicher Abstand. Sie leben in einer anderen Dimension. Eine Verbindung kann allein durch Gott ermöglicht werden.

Es mag scheinen, dass wir zu wenig über die Tätigkeiten der verstorbenen Seelen gesagt haben. Wir Exorzisten befinden uns oftmals Problemen gegenüber, die wir gern tief greifender gelöst sähen. Daher wollen wir noch ein ganzes Kapitel darauf verwenden. Meiner Meinung nach könnte unser explizites und implizites Wissen aus der Bibel noch angereichert werden, wenn die Theologen wieder dahin gelangt sind, sich mehr mit Theologie als mit Soziologie zu beschäftigen. Nur auf Gottes Offenbarung dürfen wir uns stützen. Wer den krummen Wegen des Spiritismus folgen will, entfernt sich von Gott und damit von der Wahrheit. Manch einer könnte die Nase rümpfen und denken, das hier Gesagte sei zu wenig und die Quelle der Offenbarung genüge nicht. Wir wollen uns jedoch daran erinnern, dass wir uns hier auf dem Gebiet des Übernatürlichen befinden, dass der menschlichen Wissenschaft unzugänglich ist. Wie sollten hier wissenschaftliche Beweise etwas aussagen können? Sie gelten ja nur für die natürliche Welt und ich glaube, dass der Mensch, so lange er auf Erden lebt, immer noch neue Entdeckungen machen wird. Die übernatürlichen Wahrheiten hingegen, welche die unsichtbare Welt betreffen, wie die Unsterblichkeit der Seele, die Existenz von Engeln und Teufeln, die Existenz von Himmel, Fegfeuer und Hölle und selbst die Existenz Gottes, werden sich nie wissenschaftlich erweisen oder erforschen lassen. Hierüber gibt uns allein die Offenbarung Gewissheit und der Glaube ist immer ein Geschenk des Heiligen Geistes. Er ist nicht die Frucht menschlicher Bemühungen. 

 

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