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Die Magie II.
Pater Gabriele Amorth zur Magie
Von Gabriele Amorth, dem obersten Exorzisten der Diözese Rom
Aus dem Buch: «Exorzisten und Psychiater» (Seite 67 - 74)
ISBN 3-7171-1092-6 Christiana Verlag
Bestellmöglichkeit Tel.: 08671 - 12015 / Altötting
Warum wird Magie betrieben?
Warum präsentiert sich die Magie heute mit geschwellten Segeln? Aus drei Gründen, die sie speisen und die wir hier noch einmal in Erinnerung rufen wollen: weil sie eine der Hauptformen des Aberglaubens ist und weil es geradezu eine mathematische Gleichung ist (wie ich zu wiederholen nicht müde werde), dass, wenn der Glaube schwindet, der Aberglaube zunimmt; weil die Magie aus drei noch zu nennenden Gründen überall verwurzelt ist, ganz unabhängig von dem kulturellen und wissenschaftlichen Niveau, dem wirtschaftlichen Wohlstand der Einzelnen oder der Völker. Die Personen, welche Zauberer aufsuchen, sind keinesfalls nur Einfältige, Mittellose oder Analphabeten. Es sind sämtliche Bürgerkategorien, wie im Beruf Stehende, Großindustrielle, Politiker, Sportskanonen, enttäuschte Liebhaber und Arme. Es fehlen nicht einmal Priester.
Warum finden wir die Magie zu allen Zeiten und in allen Kulturen? Was treibt die Leute zu Zauberern? Wenn einer glaubt, dann wendet er sich in den verschiedenen Wechselfällen des Lebens an Gott. Wenn einer aber nicht glaubt oder wenn der Glaube so schwach ist, dass er zugleich mit dem Aberglauben einhergeht, was treibt dann jemanden dazu, gewisse Personen Kredit einzuräumen, als ob sie durch Beschwörungsformeln, Riten oder Amulette eine geheimnisvolle Macht über die Natur, über die Ereignisse, über Menschen hätten?
Die Beweggründe können wir in drei Worten zusammenfassen: Angst, Neugier, Machtwille.
Angst
Es gibt das Böse, es gibt die vielen physischen und psychischen Krankheiten, wofür die offizielle Medizin keine Heilmittel kennt, es gibt das Missgeschick, das Unglück. Man kann wie aus «heiterem Himmel» plötzlich in eine schwere Krankheit oder in ein geschäftliches Missgeschick stürzen oder auch menschliche Zuneigung verlieren. Es können auch unglückliche Kettenreaktionen mit unüberwindlichen Schwierigkeiten auftreten: Wo soll man Heilmittel gegen die Pechsträhne finden? Ich habe die Pechsträhne niemals sozusagen auf der Straße angetroffen, sondern bei Menschen, denen einfach alles schief läuft - entweder schon von Anfang an oder seit einem bestimmten Augenblick ihres Lebens. Von solchen habe ich allerdings viele getroffen.
Wenn jemand sieht, dass alles schlecht endet (in der Arbeit, in der Familie, in der Gesundheit), dass also alle Heilmittel, von denen er sich Hilfe versprochen hatte, zu nichts geführt haben, dann fühlt er sich geradezu gezwungen, zu so genannten Alternativmitteln zu greifen: Das ist ein gelehrt klingender Ausdruck, der geschickt die Torheit zudeckt.
Unter diesen Alternativmitteln findet sich genau die Zuhilfenahme von Zauberern, d. h. von Leuten, die angeblich begreifen, wo der Hase im Pfeffer liegt («Du bist behext worden», ist eine der häufigsten Diagnosen), also von einem, der eine Erklärung dafür abgeben kann, warum alles schief läuft, und der dann ein magisches Heilmittel dagegen verspricht.
Ich sagte schon, dass auch gebildete Leute Zauberer aufsuchen: Wenn nämlich der Mensch von Unglücken niedergeschlagen ist, befindet er sich (psychisch gesprochen) in einem Zustand, in dem er nicht mehr klar denkt. Er nimmt alles an, um nur aus dieser Situation herauszukommen. Da ist zum Beispiel der auf Elektronik spezialisierte Ingenieur, der zweiundvierzig Millionen (Lire) für ein Krimskramsamulett bezahlt hat, das er immer am Leib tragen sollte. Als ich es ihm geöffnet vor die Nase hielt, konnte ich nicht anders als ihn zu fragen: «Ja, entschuldigen Sie bitte, kommen Sie sich nicht wie ein Dummkopf vor, dass Sie daran geglaubt haben?» Oder der verrückt gewordene Liebhaber, dem seine Schöne davongelaufen ist und der sie mit allen Mitteln wieder zurückhaben möchte. Wenn ihm gesagt wird, er müsse dafür dreimal auf allen Vieren um den Tisch laufen und mit der Zunge die Erde lecken, dann zögert er nicht, solche Narrenpossen auszuführen…
Neugier
Es ist geradezu ein Prinzip des Okkultismus, dass jemand von einer noch unschuldigen Neugier (ich will einmal hören, was er mir sagt) zu dem Wunsch gelangt, auf magischen Wegen etwas, das dunkel ist, zu erfahren. Meistens wird der Magier über die Zukunft befragt: Was wird mir geschehen? Werde ich Arbeit finden? Werde ich einen Ehemann finden?... Andere Male werden Fragen zur Gegenwart gestellt: über die Ursache von Übeln, die einem widerfahren (es muss ja um jeden Preis ein Schuldiger gefunden werden), oder zur Aufklärung von Zweifeln (ob es wahr ist, dass meine Frau fremdgeht, und mit wem) oder wie man sich in einem bestimmten Fall verhalten soll (ob man an einem Wettbewerb teilnehmen, eine Beziehung aufrechterhalten, eine bestimmte Medizin einnehmen soll). Durch die Massenmedien, die mit aller Macht solchen Zauberspecktakel vorführen, fühlen sich auch Menschen, die niemals daran gedacht hatten, sich an einen Zauberer zu wenden, dazu stimuliert.
Macht
Unter diesem Begriff subsumiere ich materiellen Gewinn, Erfolg und Vormachtstellung um jeden Preis. Auch der Sieg über Rivalen gehört hierhin: über Konkurrenten im Geschäft, in der Politik, in der Karriere usw. Auf diesem Felde möchte man um jeden Preis den anderen ausstechen, auch indem man ihm Schaden zufügt. Das ist der Bereich der so genannten Schwarzen Magie. Manche sind zuweilen von der Begierde getrieben, mit Hilfe der Magie Ziele oder Macht zu erreichen, die man auf natürlichem Wege nicht erhalten kann, wie Intelligenz, Studienabschlüsse, Fähigkeiten, die Liebe einer bestimmten Person. Dafür nehmen sie zu wer weiß was für okkulten Kräften, die den Erfolg versprechen, ihre Zuflucht.
Schon aus einem dieser Gründe können sich Leute an Zauberer wenden. Sie können sich auch dem Studium der Magie und ihrer Praktiken hingeben, weil sie Zauberer werden wollen. In beiden Fällen ist es der Wille, sich okkulter, nicht eindeutig identifizierter Kräfte zu bemächtigen oder auch mit Hilfe von Formeln, Riten oder Zaubertränken Kenntnisse zu erhalten, die man anders nicht erhält (auch wenn es sich nur um Geflunker handelt), um Naturgewalten oder Ereignisse zu beschwören, um Einfluss auf andere zu gewinnen oder sich gegen andere zu verteidigen.
Das alles ist Aberglaube und Götzendienst, denn man sucht sein Heil jenseits von Gott und seinen Geboten, die einem nicht genehm sind oder an die man nicht glaubt. Deshalb werden andere Wege gesucht, andere Gebote, andere Gottheiten, die einem helfen sollen. Die ganze Heilsgeschichte erwähnt immer wieder diese «Alternativen», in die nicht nur das hebräische Volk verfiel, sondern auch die Menschheit aller Zeiten. Die Hebräer fanden sich umgeben von heidnischen Völkern mit der Mentalität, jedes Volk habe seine eigenen Schutzgötter, jedes Territorium seine eigenen Götter. Das war die beständige Versuchung des hebräischen Volkes: Wollt ihr an den wahren Gott glauben, der sich dem Abraham, dem Mose, den Propheten geoffenbart und euch aus der Knechtschaft der Ägypter herausgeführt hat, oder an die Götter der euch umgebenden Völker und an die Götter der Orte, in denen ihr wohnt? Wer verdiente mehr Vertrauen, wer schützte sie besser, wem wollten sie am ehesten folgen? Und so wechselten immer Treue mit Verrat, Flucht und Umkehr in beständigem Auf und Ab widersprechender Entscheidungen und Treueversprechen einander ab.Genauso ist auch der Christ von heute.
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- Die Magie I. >
- Die Frau zu der die Toten kamen >
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- Heilige Theresia von Avila - Davor aber fürchtet euch! - >
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