EWIGKEIT...FLUCH ODER SEGEN III.

HIC SAPIENTIA EST : QUI HABET INTELLECTUM COMPUTET NUMERUM BESTIAE NUMERUS ENIM HOMINIS EST ET NUMERUS EIUS EST SESCENTI SEXAGINTA SEX

SANCTA ECCLESIA CATHOLICA

 

Ewigkeit… Fluch oder Segen?

III.

Kann die göttliche Barmherzigkeit in Übereinstimmung gebracht werden mit der Idee einer Gerechtigkeit, die keine Genugtuung zu entwaffnen vermag?

Titel des französischen Originals:

Fin du monde présent et mystères de la vie future

Von Abbé Arminjon

(8. Mai 1881)

Bestellmöglichkeit des Heftes bei:

Benedikt Deplazes, Bettinastr. 8, D-81739 München

„Diese Lektüre war eine der größten Gnaden meines Lebens“

(Theresia vom Kinde Jesu)

Ein Geistesmann sagte einmal, als er über die Bösen sprach: «Sie sind in großer Verlegenheit, in dieser Welt und in der anderen.» Man kann sagen, diese äußerste Verlegenheit, die die menschliche Gesellschaft im Angesichte von gewissen Schuldigen empfindet, empfindet Gott noch lebhafter bei der Betrachtung des sündigen Menschen. Es ist eine Glaubenswahrheit, dass Gott das Heil aller Menschen will. Soviel an ihm liegt schließt er niemand von den Früchten der Erlösung aus. Er hat nicht ohne weiteres die Hölle erschaffen. Im Gegenteil, er schöpft alle Mittel seiner Weisheit aus und alle Geheimnisse seiner Zärtlichkeit, um uns abzusichern gegen ein derartiges Unglück. Er sagt uns durch den Mund Jesajas: «Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn tat?» (Jesaja 5,4). Wenn Gott leiden könnte, keine Herzensangst wäre mit der Angst zu vergleichen, die sein Herz empfindet, wenn er gezwungen ist, eine Seele zu verdammen. Der heilige Pfarrer von Ars [siehe auch auf dieser Website: «Der heilige Pfarrer von Ars»] sagte eines Tages: «Wenn es Gott möglich wäre zu leiden, wenn er eine Seele verdammt, wäre er vom gleichen Schrecken ergriffen und vom gleichen Schauder, wie eine Mutter, die gezwungen wäre, das Fallbeil auf den Hals seines Kindes fallen zu lassen.»

Bedenkt wie Jesus Christus beim letzten Abendmahl Judas betrachtet und wie sich in seinem Blick die Traurigkeit und die bitterste Trostlosigkeit zeigt. Krampfhafte Betrübnis und eine äußerste Niedergeschlagenheit. Er versteht besser als wir es je verstehen werden, wie schrecklich der Zustand eines auf Abwegen gekommenen Menschen ist. Er ist verloren, ohne Heilmittel, aller Mittel entblößt, um zurückzukehren und sein Ziel wieder zu ergreifen. Er versucht alle erfindbaren Mittel, um den Verlust dieses Elenden zu verhindern. Er wirft sich ihm zu Füssen. Er küsst ihn. Er lässt – seiner Unwürde zum Trotz – ihn zum Festmahl seiner Liebe zu. Und nachdem die Finsternisse mehr und mehr die Seele überfallen und die Wege versperrt haben, auf denen die göttliche Gnade sich Zugang hätte verschaffen können, weint Christus. Er scheint zu vergessen, dass der Verräter ihn zum Opfer seines niederträchtigen Geizes erwählt hat. Er sieht nur den Schrecken seines Schicksals und er sagt mit Herzensangst: «Es wäre besser gewesen für diesen Menschen, er wäre nicht geboren.» (Matthäus 26,24).

Ihr, die ihr klagt, der Schöpfer sei hart, und die ihr ihm Vorwürfe macht, er gehe nicht bis zur äußersten Grenze seiner Allmacht, um sein Geschöpf daran zu hindern, ewig verloren zu gehen, nennt ihm eure Mittel, lehrt ihn euer Geheimnis. Was wollt ihr, das Gott tun soll? Ihr bittet ihn, die Hölle aufzuheben?... Die Hölle aufheben, hieße den Himmel aufheben. Glaubt ihr, dass die Märtyrer, die Einsiedler, die Jungfrauen, die Heiligen, die sich in dieser Stunde an den Freuden der ewigen Seligkeit berauschen, sich den Verführungen entzogen hätten, dass sie die weltlichen Verlockungen mit Füßen getreten, die Einsamkeit aufgesucht, die Verfolgungen durchgestanden, den Henkern und dem Schwert die Stirne geboten hätten, wenn sie nicht immer das Wort des Meisters gegenwärtig gehabt hätten: «Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen. Fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.» (Matthäus 10,28). Die göttliche Liebe erwachte erst in ihnen, nachdem sie sich durch mutige Gewalttaten von der Sünde und von den sinnlichen Gewohnheiten befreit hatten. Der Ausgangspunkt ihrer Rechtfertigung war die Furcht: «Heilig und Ehrfurcht gebietend ist sein Name. Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit.» (Psalm 111,9f). Der Blitz, der sie aus ihrem Schlaf und aus ihrer Lethargie, ihrer Gleichgültigkeit gerissen hat, das war das furchtbare Wort: EWIGKEIT!

Sie warfen dann einen Blick auf ihre prunkvollen Wohnungen, auf das vergoldete Getäfel ihrer Paläste und mussten sich sagen: Hier sammeln wir alle Tage Schätze des Zorns. Hier geben alle Verführungen ein Stelldichein, um uns zu verderben. Der Hass, das Feuer, ein endloser Fluch für das Vergnügen eines Tages, das ist es, was uns erwartet … Am folgenden Tag machten sich diese Menschen barfuss, mit einem Sack bekleidet auf den Weg, der sie in die Einsamkeit und in die Wüste führte. Ohne diese barmherzigen Schrecken wäre die Stadt Gottes nie voll geworden. Wir alle hätten uns verlaufen auf eigene Wege. Kein Mensch hätte das Gute getan (vgl. Psalm 14,1). Gott kann die Hölle nicht aufheben, ohne den Himmel aufzuheben. Wollen wir also, dass er wartet, dass er verzeiht, dass er ohne Unterlass verzeiht? Aber das macht er ja. In diesem Leben zieht er sich nie zurück von dem, der ihn abweist. Er verfolgt ihn im Heiligtum seines Gewissens durch eine innere Stimme, die nie aufhört, sich vernehmbar zu machen. Im Angesichte der Versuchung, die uns zum Bösen verleitet, erschallt diese Stimme laut und schreit: Nimm dich in Acht … Und wenn wir taub sind, beeilt er sich nicht, unseren Lebensfaden durchzuschneiden. Er erspäht nicht die Minute unseres Verstoßes, um sie zur Stunde unseres Todes zu machen. Er kehrt zu uns zurück. Er lässt uns den Stachel der Gewissensbisse fühlen. Er lässt sich nicht unserer Zurückweisung abschrecken. Er wartet jahrelang. Er lässt die Reife des Alters auf die Leidenschaften der Jugend folgen. Die Ernüchterung des Alters auf die Illusion die noch das Mannesalter verlocken. Und alle seine Anstrengungen sind eitel …

Endlich schlägt die letzte Stunde dieses Menschen. In den meisten Fällen geht ihr eine Krankheit voraus, Vorzeichen und Ankündigung des nahen Endes … Dieser Mensch verhärtet sich immer. Eine Minute vor seinem letzten Seufzer bietet sich Gott noch an, ihn in sein Herz aufzunehmen und ihn von den Flammen des Abgrundes zu retten … Sein Wort hat keine Kraft mehr, sein Zustand ist verzweifelt. Und doch! Es genügt, dass er im innersten seines Herzens das einfache Wort entgleiten lässt: «Ich liebe dich, ich bereue.» Dieses Wort wäre sein Rettungsanker …

Der Sünder weißt ihn halsstarrig zurück … Wir fragen ihn, was kann Gott tun? Soll er, um die Verhärtung seines Geschöpfes auszuzeichnen, den Plan und die Ratschläge seiner Weisheit umstürzen, die Finsternis durch einen Akt seiner Allmacht vernichten, weil ein entgleister Mensch sich die Augen ausgekratzt hat, um keinen Anteil zu haben an seinem göttlichen Licht …Ach! Gott hat das Recht, sich die Hände zu waschen und zu sagen: «O, Mensch, dein Verderben ist dein eigenes Werk und nicht das meine. Perditio tua ex te, Israel.» Aber, warum soll die Gnade und die Erlösung von der Hölle ausgeschlossen sein? – Dann, wenn dem Menschen die Augen aufgegangen sind, nachdem die letzten Illusionen verwelkt sind, und er mit Schrecken die Breite und die Tiefe seines Elends ermessen kann, warum lässt Gott nicht auf ihn einen letzten Strahl seiner Barmherzigkeit fallen und reicht diesem Unglücklichen seine Hand, die mit einer Liebe und einer Dankbarkeit ergriffen würde, die im Verhältnis zum Ausmaß der Befreiung wäre?

Wir antworten, ohne zu zögern, Gott kann das nicht. Dass kann er nicht, ohne seine unendliche Würde zu widerrufen. Er müsste sich aus eigenem Antrieb einem rebellischen und halsstarrigen Geschöpf zuwenden, das weit davon entfernt ist, ihn anzurufen, sondern ihn hasst und verflucht. Der Tod hat den Sünder in einen Zustand versetzt, der ihm keine Wahl mehr lässt. Er weiß es mit seiner Gewissheit, die seine Freiheit der Wahl aufhebt. Er bleibt gefangen und gefestigt in Hass und Stolz, die sich durch seine Tränen und seine Verzweiflung noch steigern. Um eine verdienstliche Reue zu erwecken, würde er eine Gnade brauchen. Nun, diese Gnade erbittet er nicht. Er ersehnt sie nicht. Er will sie nicht. Er verabscheut wirklich seine Strafe. Aber er hasst selbstherrlich Gott und zugleich die Gaben und das Licht, die aus dem Herzen Gottes hervorgehen.

Aber ist Gott gerecht und übertreibt er nicht über alle Verhältnisse, indem er mit einer ewigen Strafe einen vergänglichen Fehler bestraft, der nur einen Augenblick dauerte? Hier ist Diskutieren und Räsonieren ohnmächtig. Denn Gott ist das größte aller Geheimnisse. Die Sünde ist ein ebenso unergründliches Geheimnis wie die Majestät dessen, den sie beleidigt. Und die Strafe, die seiner Bosheit zukommt, ist auch ein Geheimnis ohne Grenzen, das der menschliche Geist nie ergründen kann.

Alles, was wir sagen können, ist: Wenn man Gott in drei Personen, also die Dreifaltigkeit, betrachtet, ist die Beleidigung, die ihm durch die Sünde zugefügt wird, eine unendliche Beleidigung. Der Mensch kann aber – wegen seiner begrenzten Natur – nicht eine Strafe erleiden, die bezüglich Strenge und Intensität unendlich wäre. Es ist darum ganz gerecht, das er eine Strafe erleidet, die unendlich ist in der Dauer.

Die menschliche Gerechtigkeit ist ein Bild und ein Entwurf der göttlichen Gerechtigkeit. Das Recht, den Schuldigen mit der Todesstrafe zu bestrafen, ist den irdischen Gerichten zum Wohle der Menschen verliehen. Sie verurteilen die Verbrecher nicht wegen ihrer inneren Hässlichkeit und weil sie Gott beleidigen, sondern weil sie schädlich sind und die Ordnung der menschlichen Gesellschaft untergraben. Sie haben indessen das Recht, einen Mörder, dessen Verbrechen nur einen Augenblick gedauert hat, mit einer ewigen Strafe zu belegen und ihn für immer seiner Freiheit zu berauben, weil er die moralische und menschliche Ordnung verletzt hat. Mit noch größerem Recht kann Gott mit einer ewigen Strafe den bestrafen, der seine universale, göttliche Ordnung verletzt hat und ihn für immer aus der Gemeinschaft des Himmels ausschließen.

«Es ist kein Widerspruch», sagt der heilige Augustinus, «dass Gott seine Barmherzigkeit auf die Jahre des gegenwärtigen Lebens beschränkt. Und zwar so, dass nach Ablauf dieser Zeit keine Möglichkeit der Vergebung mehr besteht. Handeln die Fürsten der Erde nicht ebenso, wenn sie den Gefangenen in den Gefängnissen die Begnadigung verweigern, auch wenn diese eine ehrliche Reue bezeugen und ihre Verbrechen bedauern.»

Unter den verschiedenen Theorien, die ausgearbeitet wurden, um die Barmherzigkeit Gottes mit der Gerechtigkeit zu vereinbaren [siehe auch auf dieser Website: «Offenbarungen Jesu an Schwester Faustina Kowalska»], scheint auf den ersten Blick die des Pythagoras und der orientalischen Sekten die vernünftigste, die annehmbarste zu sein, um die ungeheure Frage der ewigen Bestimmung des Menschen zu lösen. Diese nehmen an, anstatt den Menschen in ein Unglück ohne Ende zu stürzen, führe Gott sie in eine zweite Phase von Prüfungen ein, in der – wie in der vorhergehenden – eine Mischung von Licht und Schatten herrscht. Die Freiheit ist ihm gegeben, es gäbe Versuchungen, Entscheidung, Kampf zwischen Gott, der sich zur Hälfte zeigt und den Geschöpfen. [«Lacordaire, ebenda»] Gestehen wir es ohne Umschweife ein, unter allen, dem Christentum entgegengesetzten Lehren, ist die der Reinkarnation unbestreitbar die beste. Wenn man sie von weiten und oberflächlich betrachtet, scheint sie weder gegen die göttlichen Eigenschaften zu verstoßen, noch das menschliche Gesetzt außer Kraft zu setzen. Aber näher betrachtet, ist es leicht zu erkennen, dass sie uns in alle vorherigen Schwierigkeiten zurückversetzt und noch unlösbarere bringt. Es ist so wie ein berühmter Philosoph bemerkt: «Wenn dieses zweite Leben, das der Mensch antritt, nicht reiner ist als das erste, wenn seine Seele ein zweites Mal durch die Sünde stirbt?... Bei welcher Partie wird Gott dann Halt machen?» Soll er mit einem unerschöpflichen Recht den Lauf seiner Verwandlung fortsetzen, ohne dass Gott ihn unterwerfen und strafen kann? Kann er nichts anderes tun, als ihm das Recht gewähren, ihn ohne Unterlass zu beleidigen? Ohne diese erschreckende Perspektive des letzten Gerichtes als feierliche Klippe des Lebens würde er aufgrund seiner Unantastbarkeit ironisch zu sich sagen: Das Weltall ist groß. Die Jahrhunderte sind lang. Vollenden wir zunächst die Umsegelung der Welten und Zeiten. Fahren wir vom Jupiter zur Venus, vom ersten Himmel zum zweiten, zum dritten. Und wenn nach Räumen und Zeiten die Sonnen fehlen sollten, würden wir uns Gott vorstellen und ihm sagen: Hier sind wir, unsere Stunde ist gekommen. Schaffe uns Himmel und Sterne. Denn, wenn du müde bist, auf uns zu warten, wir sind es nicht, dir zu fluchen und auf dich zu verzichten. – Wir sagen zum Schluss: Die Liebe ist allmächtig, und es gibt Geheimnisse, Übertreibungen, von denen unsere Herzen nicht einmal eine Ahnung haben. Und was man auch sagen möge, er kann nicht darin einwilligen, für ewig das Geschöpf seiner Hände, das mit seinem Blut erkauft ist zu verlieren. Ach! Die Liebe. Wir könnten sie der Gerechtigkeit entgegensetzen, wenn es die Gerechtigkeit wäre, die bestraft. Aber die Gerechtigkeit hat sich vor zwanzig Jahrhunderten auf dem Kalvarienberg entwaffnet. Am Fuße des Kreuzes hat sie der Menschheit die Quittung für die Verbrechen unterzeichnet. Sie hat das Schwert ihrer Strenge zerschlagen, um es nie mehr zu ergreifen. Hören wir den heiligen Paulus: «Wer soll Klage erheben gegen die Auserwählten Gottes? Gott, der gerecht macht? Wer ist es, der verurteilt? Christus Jesus, der für uns starb der auferweckt wurde und der zur Rechten Gottes sitzt und der eintritt für uns?» (Römer 7,33)

Aber, weil die Verfluchung durch die Liebe kommt, gerade darum gibt es davon keine Erlösung. Wenn die Gerechtigkeit strafen würde, könnte sich die Liebe noch einmal auf dem Kalvarienberg entgegenstellen und sagen: Gnade, Mitleid, Vater, schone den Menschen und nimm anstatt des Todes, den er verdient hat, die Huldigung meines Fleisches und meines Blutes an! Aber es ist jener, der für uns mehr als ein Bruder ist, mehr als ein zärtlichster Freund, der sein von Zärtlichkeit verzehrtes Herz verschließt und es in einen Herd unerschöpflichen Hasses verwandelt. Wie könnte sich die Undankbarkeit des Menschen, die diese Verwandlung bewirkt hat, die um so erstaunlicher ist, weil sie gegen die Natur geht, sich erkühnen und sich einreden, eine Hoffnung und einen Schutz zu haben? – Ihr, die ihr das eine oder andere Mal auf dieser Erde geliebt habt, mit einer ehrlichen, brennenden, unbegrenzten Liebe. Ihr kennt das anspruchsvolle Wesen und die Gesetze der Liebe … Die Liebe bietet sich lange an. Sie bietet sich an mit Nachdruck, mit Überschwang. Sie leidet, sie opfert sich auf ohne Vorbehalt. Sie erniedrigt sich. Sie macht sich klein … Aber es gibt etwas, das sie unversöhnlich macht und das sie nie verzeiht: das ist die Verachtung, die halsstarrig bleibt, die Verachtung ohne Ende. Hinweg von mir, ihr Verfluchten, wird der Heiland am Tage des Gerichtes sagen: «Ite maledicti.» Ich habe euch mein Leben gegeben, mein Blut, meine Gottheit, mein ganzes Wesen. Und für meine unendliche Freigiebigkeit habe ich von euch nur dieses einfache Wort erwartet: «Ich gehorche Dir, ich liebe Dich!»

Ihr habt mich beständig verachtet. Und ihr habt all mein Zuvorkommen mit diesen Worten beantwortet: Geh, ich ziehe dir meine groben Interessen und meine brutalen Genüsse vor … Seid also eure eigenen Richter, wird der Heiland hinzufügen: Welches Urteil würdet ihr gegen das am meisten geliebte und verehrte Geschöpf fällen, das euch die gleiche Gleichgültigkeit und die gleiche Härte entgegengesetzt hätte? Nicht ich verwerfe euch, ihr habt euch selbst verflucht. Ihr habt nach eurem Geschmack die Stadt gewählt, in der der Egoismus, der Hass und der Aufruhr herrschen. Ich kehre in den Himmel zurück, wo meine Heiligen sind. Ich trage dorthin mein Herz zurück, das Objekt eurer Beleidigungen und eurer Schmähungen war. Seid die Söhne eurer eigenen Wahl, bleibt mit euch selbst, mit dem Wurm, der nicht stirbt, mit dem Feuer, das nie erlischt. Zittern wir. Aber seien wir auch von einem lebendigen und unerschütterlichen Vertrauen ergriffen! Die Verdammnis ist das Werk der Liebe. Die fleischgewordene Barmherzigkeit wird unser Los bestimmen und das ewige Urteil fällen. Es ist doch leicht, sie während der Zeit anzurufen, so lange das gegenwärtige Leben dauert. Die Liebe fordert hier unten nicht ein vollkommenes Gleichgewicht zwischen Sünde und Strafe. Sie begnügt sich mit wenig, mit einem Seufzer, ein wenig guten … Jesus Christus öffnet uns sein Herz. Wir sind der Preis seines Blutes und seine Eroberung. Er bestimmt die Ewigkeit für uns, nicht eine Ewigkeit der Tränen und Leiden, sondern eine Ewigkeit der Glückseligkeit, die wir mit ihm im Herzen seines Vaters, in der Einheit des Heiligen Geistes und im Reich seiner Herrlichkeit besitzen werden. Amen.

 

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