EWIGKEIT...FLUCH ODER SEGEN I.

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SANCTA ECCLESIA CATHOLICA

 

Ewigkeit… Fluch oder Segen?

I.

Existiert die Hölle, und ist es gewiss, dass die Strafen, die man dort erleidet, ewig sind?

Titel des französischen Originals:

Fin du monde présent et mystères de la vie future

Von Abbé Arminjon

(8. Mai 1881)

Bestellmöglichkeit des Heftes bei:

Benedikt Deplazes, Bettinastr. 8, D-81739 München

„Diese Lektüre war eine der größten Gnaden meines Lebens“

(Theresia vom Kinde Jesu)

Im Lande der Reformation und im heutigen Kontext: Diese Glaubenswahrheit „läuft so sehr allen unseren Vorstellungen von Gott und vom Menschen zuwider“ (Papst Benedikt XVI.). Karl Rahner räumt ein, dass die Möglichkeit der absoluten Verlorenheit bestehe und dass der Mensch damit rechnen müsse. Die Kirche spreche wohl heilig, habe aber noch nie erklärt, dass jemand in der Hölle sei. „Mehr aber braucht er (der Mensch) nicht über die Hölle zu wissen …“ Das ist wenig im Vergleich zu seinen „unendlichen Rezepten“. Gott ist gewiss „die Liebe“, die Güte, die Barmherzigkeit und die Treue. Er ist aber auch der große Heilige Gott, der verlangt, dass die Menschen seinen Willen erfüllen, der uns vor der Versuchung und „von dem Bösen erlösen“ will – aber nicht ohne uns. Es geht also um das Verhältnis von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Die echte Barmherzigkeit sagt: „Sündige nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres widerfahre“, nämlich das ewige Unheil. Sie leugnet also weder die Verbindlichkeit der Gebote noch die gegen ihre Übertretung angedrohte Strafe. Die falsche Barmherzigkeit sagt: „Das ist keine Sünde“ oder „Gott rechnet die Sünde nicht an“ und hebt damit die Gebote und die angedrohte Strafe auf. Die echte Gerechtigkeit ist barmherzig und fordert den Sünder zur Umkehr auf. Die falsche Gerechtigkeit ist grausam, sie bestreitet die Möglichkeit zur Umkehr oder sagt, „der Mensch bleibt Sünder“, weil er keinen freien Willen hat.

Luther hat angesichts der Gerechtigkeit Gottes wahre Höllenqualen durchgestanden. Sein Turmerlebnis und die daraus hervorgegangene Grundthese von der Rechtfertigung aus dem Glauben allein (ohne die Werke, ohne die Bekehrung), ist nichts anderes als eine übermächtige Verdrängung seiner Höllenangst. Er behauptet, diese Lehre habe der Heilige Geist ihm offenbart. Darum ist sie für ihn die Lehre, mit der die Kirche steht oder fällt. „Denn sie ist Gottes und nicht mein. Darum ist mein Gericht auch Gottes, und nicht mein“. Mit anderen Worten, er allein hat die alleinseligmachende Lehre. Hier ist auch Luthers „Gegensatz von Gesetz und Evangelium“ einzuordnen. Eine These, die heute weiter lebt im Schlagwort. „Frohbotschaft und nicht Drohbotschaft“. Zum Evangelium gehört auch das Gesetz mit seinen Strafandrohungen.

Von einer leeren Hölle weiß das Evangelium nichts zu berichten. Wenn Urs von Balthasar behaupten würde, das Tor der Hölle sei eng, würde jedes Kind merken, dass er das Wort Gottes verdreht. Er behauptet aber sogar, wenn auch „nur“ als Hypothese, die Hölle sei leer, also das Tor sei fest verschlossen. Er ist beeinflusst von Adrienne von Speyr. Sie könne die Frage, ob sich jemand im Zustand der ewigen Verdammnis befinde, weder mit ja noch mit nein beantworten.

Die kürzeste und beste Antithese zu all diesen Thesen hat eine Hamburgerin unbewusst gefunden oder präziser: erlitten. Sie stand nach einer Bombennacht am Bahnhof und schrie: „Wo ist der gnädige Gott, von dem die Pastoren immer erzählen? Ist doch alles ein Schwindel.“ Ein gut gemeinter Schwindel. Man darf den Menschen nicht Angst machen. Aber die Verdrängung der Angst ist ein falscher Weg. Karl Jaspers hat gemeint: eine noch nie gewesene Lebensangst sei zum unheimlichen Begleiter des modernen Menschen geworden! Nun, wie ist das mit der Angst? Ist sie einfach – wie manche „Philosophen“, „Psychologen“ und „Theologen“ meinen – einfach ein Bremsklotz, den man aus der Seele reißen muss? Im November 1941, als der Winter vor der Türe stand und seine Armeen im russischen Schlamm stecken blieben, hielt der „Führer“ in München eine Ansprache. Er erinnerte daran, dass er nie eine so unheimliche Angst gehabt habe wie damals, als er den Befehl erteilt hatte, ins Rheinland einzumarschieren. Wunderbares Geständnis! Das „von den Juden erfundene Gewissen“ hatte sich geregt und schrie: „Du spielst mit dem Feuer!“ Er hat sein Gewissen zum verstummen gebracht, seine Angst besiegt. Aber um welchen Preis!

Der moderne Mensch lacht über die Sünde und weint über die Folgen der Sünde. Er versteht weder sein Lachen noch sein Weinen. Noch nie hat er die Folgen der Sünde so zu spüren bekommen wie in unserer Zeit. Und das, was davon sichtbar ist, ist nur ein Schatten der seelischen Leiden, und diese nur eine böse Vorahnung dessen, was die Kinder von Fatima bei ihrer Höllenvision erlebt haben [siehe auch auf dieser Website: «Das erste Geheimnis von Fatima / Die Höllenvision der drei Hirtenkinder»].

«Die Muttergottes öffnete die Hände …die Strahlen, die von ihnen ausgingen, schienen in die Erde zu dringen und wir sahen uns in einem großen Feuermeer. Dort waren eingetaucht, ganz schwarz und verbrannt: Teufel und Seelen in menschlicher Gestalt. Sie wurden durch die Flammen in die Luft geworfen und fielen dann wie Funken bei einem großen Brand gewichtslos nach allen Seiten. Dabei schrien sie laut und heulten so furchtbar vor Schmerz und Verzweiflung, dass wir vor Angst zitterten und bebten. Die Teufel hatten schreckliche, widerliche Gestalt unbekannter Tiere, waren jedoch durchsichtig wie glühende Kohlen.»

13. Juli 1917

So verkehrt es ist, die Mystik zur Grundlage der Theologie machen zu wollen. So verkehrt ist es zu meinen, die echte Mystik habe den Theologen nichts zu sagen. Thomas von Aquin wollte in seinen letzten Lebensjahren nichts mehr schreiben. Warum? Die Schwäche der Theologie ist ihre Ausartung ins Uferlose. Der unendliche Stoff! „Leben heißt vor allem sich entscheiden!“ – Das Evangelium zeigt immer und überall den Menschen in der Entscheidung: zwischen Gut und Böse, wahr und falsch, Gott und die Welt, Christus und den Teufel … Die ewigen Diskussionen und die Bibliotheken sind oft wenig hilfreich. In Fatima hat Maria die entscheidenden Wahrheiten in einem Satz zusammengefasst: «O Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle und führe alle Seelen in den Himmel, besonders diejenigen, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.» Die Christenheit würde sich bekehren, wenn sie diese Wahrheiten beherzigen würde. Weil es sich um unser ewiges Glück handelt, dürfen wir in dieser Frage keine Zweideutigkeiten dulden. Es gibt nur einen absolut sicheren Weg zum ewigen Leben. Am Schluss der Bergpredigt, nachdem Christus vor Leichtgläubigkeit und falscher Frömmigkeit gewarnt hat, sagt er: «Jeder aber, der diese meine Worte hört und sie tut, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels gebaut hat... – Doch jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, gleicht einem unvernünftigen Mann, der sein Haus auf Sand gebaut hat …» Wer also auf den Felsen seiner Worte und auf den Felsen Petri baut, hat keinen vernünftigen Grund Angst zu haben, weil er den von Christus gewiesenen, sicheren Weg zum ewigen Leben geht. Wer das nicht tut, hat allen Grund, Angst zu haben.

Die Hölle bleibt ein unergründliches Geheimnis. Eines aber ist gewiss: Gott belohnt und bestraft göttlich. Oft schon in dieser Welt. Das zu bedenken und die Folgen daraus zu ziehen, darin besteht die wahre Klugheit. „Die Macht des Bösen lebt von der Feigheit der Guten“ (Don Bosco) [siehe auch auf dieser Website: «Don Boscos Visionen über die Hölle»]. Offenbarung 21,8 nennt die Feiglinge an erster Stelle unter den Verdammten im Feuerpfuhl.

Die eigentliche Schwierigkeit ist die: „Wie lässt sich eine Strafe ohne Ende rechtfertigen“? Was die kleine heilige Theresia bezüglich des Himmels sagt, gilt – wenn auch in entgegengesetzter Richtung – bezüglich der Hölle. Wie die Opfer, die Gott von uns verlangt in keinem Verhältnis stehen zum ewigen Glück, so steht das, was der Sünder durch sein böses Leben hier „gewinnt“, in keinem Verhältnis zum ewigen Unglück, zum „Lohn“, den er sich dafür einhandelt. Unser Leben hier auf Erden ist eine kurze Zeit der Prüfung. Verglichen mit der Ewigkeit ein Nichts. Bedenken wir also ernsthaft, was auf dem Spiel steht.

Es gibt im Christentum eine schreckliche Wahrheit, die in unserer Zeit noch mehr als in früheren Jahrhunderten, in den Herzen der Menschen einen unerbitterlichen Widerwillen hervorruft. Diese Wahrheit ist die der ewigen Strafe der Hölle. – Beim bloßen Ausspruch dieses Dogmas wird der Verstand verwirrt, das Herz verschließt sich und zittert. Die Leidenschaften versteifen sich und regen sich auf gegen diese Lehre und die lästigen Stimmen, die sie verkünden. – Sollten wir nicht – für die kurze Zeit der Verbannung auf Erden darüber schweigen? Eine wesentliche Wahrheit in Vergessenheit lassen und mit einem dichten Schleier bedecken, die das wichtigste Anliegen des Menschen betrifft, nämlich seine höchste Bestimmung? – Aber wenn die Hölle eine Realität ist, würde das Schweigen, mit dem wir diese Frage umgeben, nicht die Gewissheit erschüttern. Die Milderungen und Versüßungen der menschlichen Sprache würden ihre Dauer nicht abkürzen. Die Fülle des Wahnsinnes wäre es, uns einzureden, indem wir unsere Aufmerksamkeit von dieser verhängnisvollen «Chance» abwenden, indem wir uns bemühen, nicht daran zu glauben, würden wir ihre Härte beschwören. In dieser Serie von Vorträgen haben wir uns vorgenommen, das zu behandeln, was die Zukunft des Menschen und seine unsterbliche Bestimmung betrifft. Und wir könnten nicht die Qualen des anderen Lebens weglassen, ohne unsere Pflicht zu verraten und uns als einen untreuen und trügerischen Arzt zu zeigen, der – um seinem Patienten eine grausame Behandlung zu ersparen – ihn ruhig sterben lässt. In diesem Punkt hat Jesus Christus selber es nicht als angebracht erachtet, Schonung und Zurückhaltung zu üben. Er hört nicht auf, auf den Strafen zu beharren, die den Sündern vorbehalten sind. Er spricht wiederholt von der Finsternis draußen, von diesem Feuer, das nicht erlischt, von dem Gefängnis ohne Ausgang, in dem Zähneknirschen sein wird, und wo das Heulen nicht verstummen wird.

Wenn die menschliche Gerechtigkeit einen großen Verbrecher schlagen will, lässt sie auf einen öffentlichen Platz das Schafott aufstellen und lädt das Volk zur Teilnahme an diesem schrecklichen Schauspiel ein. In manchen Ländern lässt sie tagelang die zerbrochenen Glieder der Unglücklichen am Rand aufgehängt oder am Galgen, wo er seinen letzten Seufzer ausgestoßen hat, um durch dieses Schauspiel verkommene Menschen davon abzuschrecken, sich von ihren Leidenschaften zu strafbaren Handlungen verleiten zu lassen. – Jesus Christus verfährt wie die menschliche Gerechtigkeit. Er zeigt dem Bösen das über seinem Haupt aufgehängte Schwert, damit er, von Furcht ergriffen, sein Gesetz nicht verletze, und damit er das Gute tue anstelle des Bösen. Theresia von Avila hat oft ihre Schwestern eingeladen, im Geiste und in Gedanken, während ihres Lebens in die Hölle hinabzusteigen, um zu verhindern, dass sie nach ihrem Tode dorthin hinabsteigen müssen.

Beim Studium dieser schwierigen Frage über das Schicksal, das den Menschen bestimmt ist, die im Gotteshass gestorben sind, werden wir alle umstrittenen Ansichten meiden. Wir werden mit der strenge der Vernunft vorgehen und in der Klarheit des großen theologischen Lichtes, indem wir als Stütze nur die Heilige Schrift und die authentische Lehre der Überlieferung der Väter heranziehen. Erstens: existiert die Hölle, und ist es gewiss, dass die Strafen, die man dort erleidet, ewig sind? Zweitens: welcher Natur ist die Qual der Hölle und wo ist ihr Ort?Drittens: kann die göttliche Barmherzigkeit in Übereinstimmung gebracht werden mit der Idee der Gerechtigkeit, die keine Genugtuung zu entwaffnen vermag?

Kein Mensch könnte sich mit dem Studium dieser hohen Betrachtungen befassen, ohne im innersten der Seele die Worte der Schrift zu hören: «Nimm dich in Acht, diene Gott, deinem Herrn und halte seine Gebote.» Denn darin besteht das Heil des Menschen. Wer diese schrecklichen Wahrheiten meditiert, wird sicher besser werden. Er wird sofort erfahren, dass sein Geist sich verwandelt, und sein Ganzes Sein sich aufrichten wird in der Kraft der Tugend und in der Liebe zum Guten.

I.

Die Ewigkeit der Strafen ist eine von der Heiligen Schrift ausdrücklich gelehrte Wahrheit. Sie ist Bestandteil des christlichen Glaubensbekenntnisses. Eine große Zahl von Konzilien haben sie als Glaubensartikel definiert. [„Die Gutes getan haben, werden in das ewige Leben eingehen … die Böses getan haben, werden in das ewige Feuer eingehen. Das ist katholischer Glaube. Wer das nicht treu und standhaft glaubt, kann nicht gerettet werden“ (Athanasianisches Glaubensbekenntnis). – „Wenn jemand sagt, dass der Mensch auch nach dem Tod gerechtfertigt werden kann oder die Ewigkeit der Strafe der Verdammten leugnet, dann sei er ausgeschlossen“ (1. Vatikanum, «Dogmat. Konstitution über den katholischen Glauben»).]

Der heilige Matthäus spricht im 18. Kapitel, der heilige Johannes im 14. Kapitel der Geheimen Offenbarung über die Strafen der Teufel und der Verworfenen. Sie sagen, dass sie eine grenzenlose Dauer haben werden. Der heilige Markus (Kapitel 9) und Jesaja (Kapitel 66), sagen, dass ihr Feuer nicht erlöschen wird und ihr Wurm nicht sterben wird. – Der heilige Augustinus zitiert diese Worte und bemerkt: Man könne über die Natur dieses Wurmes diskutieren, über die Materialität oder Immaterialität dieses Feuer. Aber, was feststeht durch das Wort des Propheten, was von jeder Kontroverse ausgeschlossen ist, das ist, dass die Glut dieses Feuers nie gemildert und die Qualen dieses Wurmes nie gemindert werden. [Augustinus, «An Orosius», Kap. 6]

Als Jesus Christus über das letzte Gericht sprach, begründete er die Gleichheit zwischen der Rechtfertigung und der Verdammnis. Er macht weder in der Belohnung der Gerechten noch in der Bestrafung der Bösen irgendeinen Maß- noch Zeitunterschied. „Jene werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Matthäus 25,46). Wenn also das ewige Leben keine Zeitbegrenzung haben wird, wird auch der ewige Tod ohne Begrenzung und ohne Ende sein. Aus diesen Zeugnissen geht hervor, dass die Barmherzigkeit von der Hölle ausgeschlossen ist und dass die Erlösung dort keinen Zugang haben wird. – Übrigens könnten die Verworfenen und die Teufel nur durch drei Mittel sich gegenüber der Gerechtigkeit befreien oder Milderung ihrer Strafen erhalten: Entweder durch eine wahre und aufrichtige Buße. Oder durch die Fürbittmacht der Gebete der Heiligen und die sühnenden Werke, die von den Lebenden angeboten werden. Oder durch die Zerstörung ihres Wesens. Gott, dem es absolut unmöglich ist, sie in seinem Herzen aufzunehmen, würde, indem er ihr Dasein aufhebt, ihre Qualen beenden. Aber die Verworfenen können keine Buße tun. Gott hat dem Teufel nie Gnade gewährt, weil der Teufel nie bereut hat.

Der heilige Thomas sagt: «Man kann die Sünde auf zwei Arten bereuen, absolut oder beiläufig. Wer die Sünde absolut verabscheut, verabscheut sie wegen ihrer inneren Hässlichkeit und weil sie die Beleidigung Gottes ist. Wer sie beiläufig verabscheut, hasst sie nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Eigenliebe, das heißt: er verabscheut nicht wirklich die Sünde, sondern die Strafe und die Übel, die sie ihm verursacht». [Thomas, «Theolog. Summa, Supplement», q. 98,2.]

Die Verworfenen sind ohne Zweifel verzehrt von Wünschen und Träumen. Aber diese Träume haben nur ihr eigenes Glück zum Gegenstand und dieses Glück würden sie unabhängig von Gott begründen. Das ist der Traum der Teufel und der Verdammten. Ein ewig unfruchtbarer Traum, der sie verzehrt, in einer Verzweiflung und in einer Verbitterung ohne Ende. Die Verdammten können also nicht bereuen. – Sind sie fähig, an den Gebeten und Verdiensten der Lebenden teilzunehmen? Wenn sie fähig wären, wären Luzifer und seine Engel auch fähig, in einer mehr oder weniger entfernten Zeit, sich dem Guten zuzuwenden. Und sie würden dann heilige Wesen, würdig der Verehrung und Liebe gleich wie die Cherubim und Erzengel, die sie in einer ewigen Kommunion umarmen würden. Daraus würde sich auch ergeben, dass die Kirche für die Teufel beten müsste.

Die Teufel sind im wahrsten Sinne des Wortes unsere schlimmsten Feinde. Aber das Gebot der Liebe schreibt uns vor, ohne Ausnahme, für alle unsere Feinde zu beten. Nun betet die Kirche hier unten sogar für ihre Verfolger, aus dem Grund, dass sie während ihres gegenwärtigen Lebens würdige Früchte der Buße hervorbringen können. Aber sogar in der Stunde des Gerichtes, in der sie die Fülle der Liebe und Heiligkeit erlangen wird, wird sie nicht für die vom gerechten Richter zur ewigen Strafe verurteilten Menschen beten. – Wenn die Verdammten einmal das Heil erhoffen dürften, müsste die Kirche nicht nur für sie beten sondern noch mehr, wir sähen nicht ein, warum sie davon absteht, sie zu verehren und die sterblichen Überreste der Neros, Robespierres und Marats zu sammeln, um sie auf den Altären zu verehren gleich wie die Asche des Aloisius v. Gonzaga, des Vinzenz v. Paul, des Franz v. Sales.

Die Leiden der Verdammten werden nie enden und ihr Sein wird nie zerstört werden. Die Heilige Schrift beschreibt ihren beklagenswerten Zustand, indem sie ihnen den «zweiten Tod» nennt. «Das wird», wie der heilige Gregor der Große sagt, «ein Sterben sein, das nie enden wird. Ein Ende, das immer von einem neuen Anfang gefolgt ist, eine Auflösung, die nie zu einem Verfall führen wird». [Gregor der Gr., Moral I,9,66.]

Nicht weniger kraftvoll und klar beschreibt der heilige Augustinus die traurige Beschaffenheit dieses Sterbens, das die Seele ewig bestehen lässt, und sie ihre Schrecken und Entsetzen in ihrer ganzen Heftigkeit erleiden lässt. «Man kann nicht sagen, dass die Seele in der Hölle lebt, weil sie in keiner Weise an das Übernatürliche Leben Gottes teilnimmt. Man kann nicht sagen, dass der Körper dort lebt, weil er dort die Beute aller möglichen Leiden sein wird. – Gerade dadurch wird dieser zweite Tod grausamer, weil der Tod ihm kein Ende bereiten kann». [Augustinus, Gottesstaat, 19,28. 299].

Fügen wir zu diesen theologischen Beweisen die Beweise der Vernunft. Wenn es keine ewige Hölle geben würde; würde das Christentum verschwinden und die moralische Ordnung würde aufgehoben. Die Wahrheit der ewigen Dauer der Strafe ist wesentlich verbunden mit den Grundwahrheiten des Glaubens: den Sündenfall, die Menschwerdung, die Erlösung, die logischerweise diese Gewissheit einschließen. Wenn es keine Hölle geben würde, warum wäre Christus vom Himmel herabgestiegen? Warum seine Erniedrigung in der Krippe? – Warum seine Schande, sein Leiden und sein Opfer am Kreuz? – Diese äußerste Liebe eines Gottes, der Mensch wird, um zu sterben wäre ein Werk bar jeder Weisheit und in keinem Verhältnis zum gesteckten Ziel, wenn es sich nur darum gehandelt hätte, uns von einer zeitlichen Strafe zu befreien, wie die des Fegfeuers. [siehe auch auf dieser Website: «Was wissen wir vom Fegfeuer?»]

Der Mensch war in ein nicht wieder gut zu machendes Unglück gestürzt und mit einem unendlichen Unheil geschlagen. Er konnte sich nur durch ein göttliches Heilmittel wieder erheben. Andernfalls müsste man sagen, Christus habe uns nur von einer zeitlichen Strafe losgekauft, von der wir uns durch unsere eigene Genugtuung hätten befreit werden können. Und wäre in diesem Fall der Schatz seines Blutes nicht überflüssig? Es gäbe keine Erlösung mehr im strengen Sinne des Wortes: Jesus Christus wäre nicht mehr unser Erlöser. Es wäre eine übertriebene und unverdiente Forderung, von den Menschen den Tribut der Dankbarkeit und der Liebe ohne Grenzen zu verlangen. Der Mensch gewordene Gott wäre von unseren Herzen und unserer Anbetung vollständig entthront. Das Christentum würde ein Betrug und jeder Geist, der folgerichtig denkt, wäre notwendigerweise verleitet, die Offenbarung und Gott selbst abzulehnen …

Wenn es keine ewige Hölle gibt, gibt es keine moralische Ordnung mehr. Der Grund der moralischen Ordnung ist der absolute und wesentliche Unterschied zwischen Gut und Böse. Das Gute und das Böse sind wesentlich verschieden, weil sie verschiedene Folgen haben und an entgegengesetzte Ziele enden. Aber, wenn wir die ewige Dauer der Strafe aufheben, gelangen Laster und Tugend ans gleiche Ziel: Der eine und der andere erreichen auf verschiedene Wege ihr letztes Ziel, die Ruhe und den Genuss der Glückseligkeit Gottes. Das gleiche Los wird denen zuteil, die Werkzeuge des Bösen –, wie denen, die bis zum Ende die unbestechlichen Organe des Guten gewesen sind. Ihr werdet antworten: Das wird sein, aber es wird tausend, zehntausend Jahre früher sein für den Gerechten, tausend, zehntausend Jahre später für den Bösen. Was liegt daran? Eine Dauer der Sühne, so lang ihr sie annehmen wollt, begründet nicht für die ewige Bestimmung des einen und des anderen einen wesentlichen Unterschied.

Während unseres vergänglichen und flüchtigen Lebens, in dem die verstrichenen Augenblicke nie wieder geboren werden, sind tausend, zehntausend Jahre eine Dauer und haben Bedeutung. Aber vom Augenblick an, in dem der Mensch in die Ewigkeit tritt, haben tausend, zehntausend Jahre keine Bedeutung mehr. Sie sind weniger als ein Sandkorn in der Wüste, als ein Tropfen Wasser im Meer. Stellt euch eine Zukunft von Qualen vor, so lang wie ihr wollt, verdoppelt die Jahre, häuft die Jahrhunderte aufeinander, sobald das Ende für alle das gleiche ist, wird das Maß ihrer Dauer – verglichen mit dem Maß der Ewigkeit – als so kleine Menge erscheinen, solche Bruchteile, dass es so erscheint, als wäre es nichts. Und weil es zwischen einer Ewigkeit und der anderen Ewigkeit kein wahrer Unterschied besteht, wäre es richtig zu sagen, dass die Sünde dem Sünder nicht geschadet habe. Wenn Gott zum Beispiel, um mich für meine Verbrechen zu strafen, mich während Jahrhunderte in die Flammen taucht, ich tröste mich … Ich weiß, dass ich ein mathematisch gleiches Maß besitze wie der Gerechte. Ich habe die Ewigkeit des Genusses und der Herrlichkeit für den, der Gott gedient und ihn bis zum Tode geliebt hat. Eine Ewigkeit des Genusses und der Herrlichkeit für den Verbrecher, der zitterte bei der Ausführung des Bösen und der die Gebote Gottes beharrlich mit Füßen getreten hat.

Wenn also das Ende der beiden das gleiche ist, wenn der Weg des Bösen und des Guten unfehlbar zum Leben führt, zum ewigen Leben, muss man zwingend daraus schließen, dass die Tugend und das Laster zwei Wege von gleicher Sicherheit sind, sodass es dem Menschen freigestellt ist, je nach Geschmack, den einen oder den anderen zu gehen. Und dass das schmutzigste Leben, wie das reinste, das gleiche Verdienst und die gleiche Würde besitzen, weil beide die Grundlage einer gleichen Vollkommenheit und eines gleichen Glückes bilden.

Wenn dieses System gültig ist, gibt es weder Moral noch öffentliche Ordnung, noch einen Schatten von Redlichkeit. Die Gerechtigkeit ist von ihrer Sanktion beraubt, das Gewissen ist voreingenommen, die Tugend und das Opfer sind eine dumme Anstrengung. Nehmt der Menschheit die Furcht vor der ewigen Strafe weg, und die Welt wird sich mit Verbrechen füllen. Die abscheulichsten Freveltaten werden eine Pflicht, sobald sie sich schmeicheln können, dem Gefängnis und dem Schwert zu entgehen. Die Hölle wird bloß vorweggenommen sein. Anstatt auf das zukünftige Leben vertagt zu sein, wird sie schon im gegenwärtigen Leben im Herzen der Menschheit eingeweiht. Ein zeitgenössischer Schriftsteller hat gesagt: «Es kann für die Gesellschaft in dieser Lage keine andere Wahl geben: ‹Entweder Gott oder den Revolver›».“ Wenn es jenseits dieses Lebens keine Strafe gibt, wird die Macht den Sieg davontragen. Dann wird der Scharfrichter zum Schlußstein und zum Angelpunkt der sozialen Ordnung und die Gerechtigkeit wird im Namen des Todes verkündet anstatt im Namen Gottes. «Übrigens», so bemerkt ein anderer Moralist, «kraft welchen Rechtes würden die Gerichte die Verbrecher verurteilen, wenn für sie die Auszeichnung der göttlichen Straflosigkeit besteht, sodass die ewige Gerechtigkeit nicht aus ihrer Ruhe heraustreten will, um ihrer gerechte Strafe aufzuerlegen?» [Lacordaire, «De la Sanction du gouvernement divin»]

Das Gewissen der Völker hat sich gegen diese ungeheuren Folgen erhoben – Mitten in der Entfesselung der Irrtümer, des Verfalls des wahren Glaubens, ist die Lehre eines zukünftigen Zustandes der Bestrafung oder Belohnung wach geblieben. Diese Lehre finden wir bei den Heiden. Vergil hat diesen Glauben in den berühmten Versen ausgedrückt: Sedet aeternumque sedebit infelix Theseus (Aen. 6, 618). Rostroque immanis vultur obunco, Immortale jecur tondens … Nec fibris requies datur ulla renatis (6, 597). «Die hässlichen Verbrecher, deren Seele unheilbar ist  », sagt Platon (Phoed., 144) «werden durch Strafen gequält, die sie treffen, ohne sie zu heilen.»

Die Seelen, die große Verbrechen verübt haben, sind in den Abgrund gestürzt, den man die Hölle nennt. Das ist das Urteil Gottes, der im Himmel wohnt: Die Guten sind mit den Guten vereinigt und die Bösen mit den Bösen. Es ist wahrhaft zum Staunen, wie alle Menschen darin übereinstimmen: Dichter, Philosophen, Völker, Könige Zivilisierte und Barbaren, obwohl es eine Wahrheit ist, die unsere Gedanken verwirrt und die die Menschen sehr gern leugnen würden. Das wäre der Ort, inne zu halten, um die Autorität und das Gewicht des fundamentalen Grundsatzes zu bedenken: «Was immer, was von allen und was überall geglaubt worden ist, ist notwendigerweise die Wahrheit.»

Jedes Dogma ist angefochten worden, nur dieses eine nicht. Alle wichtigen Punkte der katholischen Theologie haben Diskussionen ausgelöst. Die Hölle ist diesem allgemeinen Gesetz entgangen. Sie ist bis auf uns gekommen, ohne auf diesem langen Weg einen Geist zu finden, der ihrer Berechtigung bestritten oder wenigstens ihre furchtbare Gewissheit erschüttert hätte. «Die Protestanten, die soviel geleugnet haben: Sie haben die Hölle nicht geleugnet. Sie haben das zerstört, was den menschlichen Sinnen am meisten Argwohn brachte. Die Beichte, die Jungfräulichkeit, die Wirksamkeit der guten Werke. Aber sie haben die Hölle nicht von ihrer schrecklichen Physiognomie entblößt. Ihre Hand ist an dieser Schwelle der Leiden zurückgewichen, obwohl sie nicht einmal die Türe des Tabernakels respektiert haben, wo in seiner Güte und in seinem Opfer das Fleisch des Gottmenschen wohnt.»

Nur der Rationalismus der Gegenwart hat sich zu dieser Leugnung erkühnt. Und wie merkwürdig, er hat das getan, indem er zum Herzen der unendlichen Vollkommenheit Zuflucht nahm. Er hat sich gegen die göttliche Gerechtigkeit gewappnet mit seiner Größe, seiner Weisheit. Und er, der die Erlösung leugnet, er beruft sich gerade auf diese äußerste Liebe, die Jesus Christus am Kreuz sterbend aufstrahlen ließ. «Gott», so sagt er, «ist ein viel zu vollkommenes Wesen, zu erhaben, zu selbstlos, um ein gebrechliches Geschöpf, das durch Heftigkeit oder durch Schwäche zum Bösen verleitet wurde, ewig unter den Blitzen seiner Macht zu zermalmen. Das wäre eine Rache, eine Vergeltung unwürdig seiner Herrlichkeit und seiner Vollkommenheit.»

Wir antworten: Wenn das Verbrechen ungestraft bliebe, würde die Größe aufhören, Eigentum Gottes zu sein. Sie würde mit vollem Recht dem bösen Menschen gehören. Es würde nur von ihm abhängen, durch einen einzigen Willensakt würde die Revolte gegen die göttliche Ordnung triumphieren. Gott hätte geträumt, als er aus seiner Herrlichkeit heraustrat. Er hätte umsonst das Grundgesetz aufgestellt, dass das Geschöpf auf ihn hin geschaffen sei, um mit der ganzen Sehnsucht seines Herzens ihm zu dienen, ihn zu lieben durch beständige Akte des Lobes, der Abhängigkeit und der Anbetung. Gott wäre nicht mehr unser eigentliches und letztes Ziel.

Akzeptieren wir einmal – wie einige es angenommen haben –, dass die Hölle einfach ein Ort der Langweile und der Traurigkeit ist, wo die gefangene Seele nur einer versüßten und begrenzten Strafe unterworfen ist. – Stellen wir uns bei dieser Annahme vor, wie Satan und seine Gefährten, um das Maß ihrer Revolte voll zu machen, in ihrem Stolz, Gott, der sie verworfen hat, sagen würden: «Wir sind in einem solchen Zustand in einer genügend erträglichen Existenz, um darin einzuwilligen, ewig auf dich zu verzichten. Wir sind wahrhaft weit davon entfernt, die vollkommene Glückseligkeit zu besitzen. Aber wir haben ein Maß an Leben und Ruhe, das allein unser Verdienst ist, und wir sind damit zufrieden. Wenn wir auch nicht strahlend sind wie deine Engel: wenigstens sind wir nicht dir unterworfen. Wir dienen dir nicht, wir gehorchen dir nicht.» Das wäre die Antwort aller Geschöpfe, die aus dem Herzen Gottes ausgeschlossen sind, wenn es ihnen gelingen würde, ihrer Bestimmung zu entgehen, ohne einen ungeheuren, unendlichen Schmerz zu erleiden, wie die Wohltat, die sie frei und halsstarrig verschmäht haben.

Um das Elend der Teufel und der Verdammten zu versüßen, müsste Gott ihnen nur einen Schatten des Guten, eine schwächliche Hoffnung, einen Tropfen Wasser zu ihrer Erfrischung schenken. Sie würden an diesem Schatten, an dieser Vorstellung mit der ganzen Energie ihres erschöpften und keuchenden Willens hängen. Sie würden sich entflammen und begeistern für dieses Stück Erleichterung und versuchen, sich einzubilden und sich zu betrügen über das Ausmaß und die Tiefe ihres Unglücks. – Und man müsste nicht die Herzen der Menschen kennen, um sich vorzustellen, dass sie sich eher mit dieser abgemilderten Hölle abfinden würden, als ihre Knie zu beugen und nachzugeben.

Wenn also die Hölle nicht ein Wolkenbruch und eine Flut von unaussprechlichen und ewigen Leiden ist, die den Schuldigen das ganze Gewicht der strafenden Hand fühlen lässt, dann bleibt der Mensch Sieger in der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse und der Herr des Himmels ist der Besiegte. Es würden sich nicht – wie er vorhergesagt hat – alle Knie vor ihm beugen. – Es ist für die Ehre Gottes absolut notwendig, dass der Mensch, der sie beleidigt hat, indem er halsstarrig und systematisch rebelliert hat, ohne Ende, äußersten und unbegreiflichen Leiden unterworfen ist, die im Gleichgewicht zur beleidigten Ehre Gottes stehen. Er muss herzzerreißende Schmerzen erleiden, ohne Beimischung, begleitet von einer absoluten Trennung von jedem Geschöpf, das in der Lage wäre, ihn zu ergötzen und ihn von den Peinen abzulenken, in die er so sehr eingetaucht ist, dass er über seinem Kopf, zu Füssen und rundherum nichts anderes wahrnehmen kann als Trostlosigkeit und Schrecken. Und das, damit er die Größe Gottes wieder erkennt, die er verachtet hat, sodass das Übermaß seiner Not ihm die Huldigung entreißt, die seine Güte nicht erhalten konnte, und er – wie Julian der Abtrünnige – bei seinem Tode ausruft: «Du hast gesiegt, Galiläer!»

Dieser Zustand der Marter ohne Milderung erschreckt unser Denken. Aber er ist die nötige Strafe der göttlichen Ordnung. Eine zeitlich begrenzte Hölle – wie es das Fegfeuer ist [siehe auch auf dieser Website: «Was wissen wir vom Fegefeuer?»] – würde nicht genügen, um die Ordnung und die Vergeltung zu sichern. – Wahrhaft, wie viele Menschen gibt es in diesem Leben, die sich Sorgen machen wegen des Fegfeuers? Wie viele Christen ohne Großmut und Eifer würden sich gerne tausend Fegfeuern verschreiben, um die Wünsche eines Augenblicks zu erfüllen? – Ein deutscher Philosoph, der eines Tages mit einem Freund diskutierte, sagte: «Um die Verwirklichung jenes Wunsches zu erleben, jenes ehrgeizigen Vorhabens, das ich sosehr ersehne, würde ich gerne zwei Millionen meiner ewigen Glückseligkeit geben.» Sein Gesprächspartner antwortete ihm: «Das Opfer, das Sie anbieten ist eigenartig bescheiden.»

Der Mensch schätzt nur das, was unendlich ist. Sobald ein Geschöpf ihn lockt, mit dem Liebreiz und dem Lächeln der Verführung, sogleich stattet er es mit dem Unendlichen aus, der den Inhalt seiner Liebe und seiner Träume bildet. Er projiziert auf ihn das Ideal und das Entzücken eines riesigen und unbegrenzten Glückes. Und was dann? Im Angesichte dieses wahrnehmbaren, lebendigen und greifbaren Unendlichen, das sein Herz wie ein Fieber ergreift und in seinen Sinnen ein verzehrendes Feuer entflammt. – Setzt dieser Versuchung das Gegengewicht einer Strafe ohne ewige Dauer? Die Androhung verweist auf eine ferne und unbestimmte Zukunft. Er kann sie sich nur in einer konfusen Weise vorstellen. Und dabei kann er sich noch in dem Gedanken wiegen, vor dem Tod umzukehren und so der Strafe zu entgehen? Wir müssen es sagen: diese zeitlich begrenzte Hölle würde diesen Menschen als ein bescheidener Ausgleich für den unendlichen Genuss erscheinen, den ihm eine Minute Wollust verspricht. Er würde alles aufs Spiel setzen. Er würde Milliarden und Milliarden von Jahrhunderten, die sie ihm androhen riskieren. Er würde sich einbilden, ein gutes Spiel zu gewinnen. Wenn es nicht die Ewigkeit wäre, würde er nicht feilschen, weder über den Grad noch über die Dauer. Wer das nicht zugibt, hat noch nie die Tiefen der menschlichen Natur ausgelotet – «Ein unsterbliches Wesen braucht Hoffnung und Ängste, die seiner Größe entsprechen!!! Alles, was nicht ewig ist, würde im Angesichte des schrecklichen Ausmaßes seiner Wünsche verschwinden.» [Nicolas, «Etudes sur le Christianisme.»]

 

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- Ewigkeit... Fluch oder Segen II. / von Abbé Arminjon >

- Satanismus: Menschenopfer an Weihnachten... >

- Abtreibungsholocaust - ein Szenario der Hölle >

- Anna Katharina Emmericks Visionen über Fegfeuer, Arme Seelen, Hölle >

- Warnendes Zeugnis des amerikanischen Priesters über die Hölle >

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