ERZÄHLUNGEN ÜBER HÖLLE U. VERDAMMTE

HIC SAPIENTIA EST : QUI HABET INTELLECTUM COMPUTET NUMERUM BESTIAE NUMERUS ENIM HOMINIS EST ET NUMERUS EIUS EST SESCENTI SEXAGINTA SEX

SANCTA ECCLESIA CATHOLICA

 

Alte Erzählungen und Kurzgeschichten über

Hölle und Verdammte

(Von Pater Giuseppe Tomaselli)

Aus der Kleinschrift: «Die Hölle existiert» (Seite 23 …)

Druck und Verlag Anton Ruhland

Bestellmöglichkeit Tel.: 08671 – 12015 / Altötting

Ein Erzbischof erzählt

Monsignore Antonio Pierozzi, Erzbischof von Florenz, war ein sehr frommer und sehr gelehrter Mann. Er erzählte die Geschichte, die sich gegen Mitte des 15. Jahrhundert ereignete und die Menschen zu dieser Zeit sehr beeindruckte.

Ein Junge, der siebzehn Jahre alt war, verheimlichte während der Beichte eine schwere Sünde, er schämte sich, sie zu beichten und jedes Mal, wenn er kommunizierte, beging er ein Sakrileg. Er hatte immer Gewissensbisse und anstatt dass er die Sache in Ordnung brachte, verrichtete er große Bußwerke. Schließlich wurde er ein Mönch. Denn er dachte: «Dort werde ich meine Sakrilegien beichten, und ich werde meine Sünden sühnen.»

Wie ein ganz frommer Junge wurde er im Kloster aufgenommen. Leider hatte er nie den Mut, seine Sünde zu beichten. Nach drei Jahren lag er im Sterben. Aber auch in diesem Moment bekannte er dem Beichtvater seine großen Sünden nicht. Die Mitbrüder glaubten, er sei wie ein Heiliger gestorben. So wurde seine Leiche feierlich in die Klosterkirche getragen. Am nächsten Tag hätte man ihn begraben sollen.

Am Morgen, in der Frühe, als ein Mönch die Glocken läuten musste, sah er plötzlich, dass der Tote vor ihm stand, von Flammen und Ketten umgeben. Der Mönch war zu Tode erschrocken und fiel auf die Knie. Dann sagte der Tote: «Betet nicht für mich. Ich bin in der Hölle, und ich werde dort die ganze Ewigkeit bleiben».

Er erzähle ihm von seinen Sakrilegien. Dann verschwand er und hinterließ einen großen Gestank, der sich im ganzen Kloster verbreitete. Die Behörden ließen die Leiche ohne Beerdigung wegtragen.

In Paris

Der heilige Alfons von Liguori, Doktor der Kirche, erzählte eine andere Geschichte.

Die Universität in Paris war sehr berühmt. Plötzlich starb ein Professor. Niemand hätte an dessen Tod gedacht, nicht einmal sein bester Freund, der Bischof von Paris.

Der Bischof betete jeden Tag für diese arme Seele. Eines Nachts, als er für den verstorbenen Freund betete, sah er ihn im Feuer ganz verzweifelt. Der Bischof verstand, dass er verdammt war, und fragte ihn:

«Erinnert man sich in der Hölle noch an die Wissenschaft, die uns in der Welt berühmt macht?»

- «Oh, nein! Wenn wir bei den Dämonen sind, haben wir anderes zu tun! Diese bösen Geister lassen uns nie in Ruhe, sie hindern uns zu denken! Wir denken nur an unsere Strafen, die so schrecklich und furchtbar sind. Die Dämonen versuchen uns noch mehr zu plagen, damit wir sehr bestraft sind!»

Raimond Diocré

Ein anderes Ereignis. Ich werde das Ereignis erzählen, das vor vielen Tausenden Zeugen geschah und das ausführlich von Gelehrten erwähnt wurde. In Paris starb ein Professor der Sorbonne, Raimond Diocré. Seine Leiche wurde in der Kirche Notre Dame aufgebahrt. Viele Gläubige, Professoren und Studenten begleiteten ihn. Der Tote wurde in das Mittelschiff gelegt und wie es damals Brauch war, unter einem einfachen Schleier.

Als der Priester bei der Beerdigungsfeier den Satz sagte:

- «Responde mihi: Quantas habes iniquitates et peccata ...» (Antworte mir: Wie viele Sünden und Vergehen hast du?), hörte man unter dem Schleier eine Grabesstimme: «Nach dem gerechten Gottesgericht wurde ich für schuldig erklärt!»

Man nahm sofort das Todestuch weg, aber die Leiche war unbeweglich und kalt. Nach der allgemeinen Erschütterung fuhr der Priester fort und wiederholte den Satz. Die Leiche erhob sich bei diesen Worten und schrie noch lauter:

- «Nach dem gerechten Gottesgerichte wurde ich verurteilt!»

Die Anwesenden waren ganz erschrocken. Einige Ärzte näherten sich dem Toten, der wieder unbeweglich war, und sie stellten fest, dass er wirklich tot war. An diesem Tag hatte man keinen Mut mehr die Beerdigung zu beendigen und man wartete bis zum nächsten Tage.

Die religiösen Behörden wussten nicht, was zu tun sei. Einige sagten: «Er ist verdammt, er ist nicht würdig, die Gebete der Kirche zu bekommen», andere: «Es ist nicht sicher, dass Diocré verdammt ist! Er sagte, er wurde für schuldig erklärt und verurteilt.» Der Bischof war auch dieser Meinung, und am anderen Tag wiederholte man die traurige Andacht. Aber als man den Satz sagte: «Responde mihi … » stand die Leiche auf und schrie:

- «Nach dem gerechten Gottesgericht bin ich für immer in der Hölle verdammt!» Nach dieser schrecklichen Bestätigung hörte die Beerdigung auf. Man begrub den Toten nicht in den geweihten Friedhof.

Das Ereignis war klar und viele Leute bekehrten sich. Dabei war auch ein gewisser Bruno, Schüler und Bewunderer von Diocré, der schon ein guter Christ war, aber danach verließ er die Welt, um Sühne zu leisten. Andere folgten seinem Beispiele. Bruno gründete einen religiösen Orden, den strengsten der katholischen Kirche, den Orden der Karthäuser. Er starb wie ein heiliger Mann.

Wer heute Serra San Bruno besucht, in Kalabrien, kann dieses Kloster sehen, das von dem Heiligen gebaut wurde, wo viele Menschen lebten, sogar berühmte Leute und Professoren, die mit dem Gebet, mit der Arbeit, mit der strengen Buße und mit dem Schweigen sich heiligen wollten. Die Welt kann denken, dass diese Leute verrückt sind, sie sind in Wirklichkeit weise Menschen. Sie folgen den Spuren des Gründers, der an die Hölle dachte.

In London

Im Jahre 1848 lebte in London eine neunundzwanzigjährige Witwe. Sie war sehr reich und sehr weltlich gesinnt. Mehrere Männer besuchten ihr Haus. Sie hatte auch einen jungen Freund, der Lord war, doch sein Benehmen war nicht seriös. Eines Nachts, bis ungefähr gegen zwölf Uhr, las diese Frau einen Roman, um dann besser zu schlafen. Als sie die Kerze löschte, bemerkte sie ein Licht, das von der Türe kam und immer mehr zunahm. Ganz erstaunt, konnte sie nicht verstehen, was sie sah. Die Türe öffnete sich langsam, und der junge Lord erschien, der mit ihr immer wieder ganz unbekümmert lebte. Bevor sie ein Wort reden konnte packte er ihr Handgelenk, und sagte: «Es gibt eine Hölle, wo man brennt!»

Der Schmerz war so groß, dass sie ohnmächtig wurde. Nach einer halben Stunde, als sie wieder zu sich kam, rief sie das Zimmermädchen, das sofort einen starken Brandgeruch vernahm. Es sah, dass sie am Handgelenk eine tiefe Brandwunde hatte, bis auf den Knochen, in der Größe einer Handfläche. Auch auf dem Teppich sah man die Spuren der Füße eines Mannes, und der Teppich war von beiden Seiten verbrannt. Am folgenden Tag erfuhr die Frau, dass der junge Lord in dieser Nacht gestorben war.

Die Geschichte wurde von Gaston De Segur erzählt. Er fügte bei: - «Ich weiß nicht, ob diese Frau sich bekehrte, ich weiß nur, dass sie noch lebt.» Am linken Handgelenk trägt sie ein goldenes Armband, damit man die Brandwunde nicht sieht. Sie trägt dieses Band Tag und Nacht, so dass man sie «Die Frau mit dem Armband» nennt.

In der ewigen Stadt

In Rom, im Jahre 1873, einige Tage vor dem Fest Mariä Himmelfahrt, wurde in einem Freudenhaus eine von diesen unglücklichen jungen Frauen an einer Hand verletzt. Man meinte, dass die Sache nicht gefährlich sei, aber dennoch wurde sie ins Spital eingeliefert. Sie starb in der nächsten Nacht. Eine andere junge Frau, die in jenem Hause lebte und nicht wusste, was im Spital passiert war, begann so hoffnungslos zu schreien, dass die Menschen jenes Hauses und des Stadtviertels erwachten. Die Polizei wurde gerufen. Was war geschehen? Die Gefährtin, die im Spital gestorben war, war ihr von Flammen umgeben erschienen und hatte gesagt: «Ich bin verdammt! Und wenn du nicht auch so sterben möchtest, verlasse sofort dieses schändliche Haus und kehre zu Gott zurück.»

Nichts konnte die Aufregung dieser jungen Frau beruhigen, die sehr früh am Morgen das Haus verließ. Das ganze Haus war erschrocken, als es erfuhr, dass die junge Frau im Spital gestorben war. Die Herrin dieses Hauses erkrankte sehr, als sie von der Erscheinung der verdammten Seele hörte und bekehrte sich. Sie fragte nach einem Priester, um die hl. Sakramente zu empfangen (Beichte / Kommunion). Die religiösen Behörden beauftragten einen würdigen Priester, Monsignore Sirolli, Pfarrer von San Salvatore in Lauro, die Sache zu erledigen. Er verlangte von ihr, vor mehreren Zeugen, dass sie ihre Gotteslästerungen gegen den Papst zurücknehme und die Bestätigung, diese schändliche Arbeit aufzugeben. Die Frau starb mit den Tröstungen der heiligen Religion. In der ganzen Stadt Rom redete man von diesem Ereignis.

Die bösen Menschen lachten darüber, doch die guten wurden noch besser.

In Neapel

Wer kennt nicht die Strenge eines Heiligsprechungsprozesses? Die Kirche prüft, bevor sie jemanden heilig spricht, sein Leben und besonders dessen wichtigen Ereignisse. Die folgende Geschichte ist wahrhaft und echt, man kann sie in dem Heiligsprechungsprozess vom heiligen Francesco di Girolamo lesen. Er war ein Jesuitenmissionar, der im letzten Jahrhundert gelebt hat.

Eines Tages predigte er vor einer Menge Menschen auf einem Platz in Neapel. Eine schlechte Frau, die Katharina hieß, und an diesem Platz wohnte, wollte die Leute während der Predigt zerstreuen, sie begann lärmend zu schreien und schamlos zu winken. Der heilige konnte nicht mehr weiter predigen, da die Frau nicht aufhörte mit ihrem Lärm. Am anderen Tage kehrte der Heilige zum gleichen Platz zurück, und da das Zimmer der ruhestörenden Frau geschlossen war, fragte er was geschehen sei. Man antwortete ihm: «Heute Nacht starb sie plötzlich». Die Hand Gottes hatte sie getroffen. - «Gehen wir sie zu sehen, » sagte der Heilige.

Er trat in das Zimmer der unglücklichen Frau, von mehreren Menschen begleitet, und erblickte ihre Leiche. Gott will seine Heiligen mit Wundern verherrlichen, und Er gab seinem treuen Diener die Eingebung die tote Frau zu befragen. Der heilige Francesco di Girolamo schaute die Leiche erschrocken an. Mit feierlicher Stimme sagte er: «Im Namen Jesu, Katharina, sag vor diesen Leuten, wo du jetzt bist!»

Gott erlaubte, dass die Leiche die Augen öffnete, die Lippen bewegten sich krampfhaftig und eine raue und schreckliche Stimme sagte: «In der Hölle! … Ich bin für immer in der Hölle! … »

Ein General

Der gelehrte und fromme Gaston De Ségur veröffentlichte ein Büchlein über die Existenz der Hölle in dem man über die kleinsten Einzelheiten der Erscheinung eines Verdammten berichtet. Ich wiederhole die Geschichte mit den Worten des Autors.

Im Jahre 1812 hat sich in Moskau folgendes Ereignis begeben, fast in meiner Familie. Mein Großvater mütterlicherseits, der Graf Rostopchine war damals militärischer Verweser in Moskau. Er war sehr befreundet mit dem General Graf Orloff, einem tapferen aber ungläubigen Mann. An einem Abend, nach dem Abendessen, begann Graf Orloff mit einem Freund General V …, der Voltaire sehr schätzte, zu scherzen. Der General V … spottete über die Religion und besonders über die Hölle.

Graf Orloff sagte: «Und wenn zufälligerweise etwas in der Ewigkeit existiert?»

Der General antwortete: «Gut, wenn es so ist, muss der von uns, der als Erster sterben wird, den anderen benachrichtigen. Einverstanden?»

Orloff antwortete: «Sehr gut!» Sie versprachen es mit einem Händedruck.

Nach ungefähr einem Monat musste der General von Moskau fort, da er eine wichtige Stelle in der russischen Armee bekam, als Napoleon den Krieg erklärt hatte. Nach drei Wochen wurde der General getötet, als er die Stellung des Feindes erforschte. Im selben Augenblick musste er vor Gott Rechenschaft geben. Graf Orloff war in Moskau und wusste nicht, dass der Freund getötet worden war. Er war noch im Bett, als plötzlich vor ihm der tote General erschien … ganz bleich, die rechte Hand auf der Brust und sagte: «Die Hölle existiert, ich bin drin!» Und er verschwand. Der Graf stand sofort auf, er verließ das Zimmer im Morgenrock, mit Pantoffeln, struppigen Haaren, aufgesperrten Augen und leichenblass. Er rannte zu meinem Großvater und erzählte ihm, was geschehen war. Mein Großvater war kurz aufgestanden und sehr überrascht, Graf Orloff so früh und ungepflegt zu sehen. Er fragte ihn: «Was ist ihnen passiert?»

- «Mir scheint, ich werde verrückt, so erschrocken bin ich. Ich sah jetzt gerade den General V …!»

- «Was? Der General ist schon in Moskau angekommen?»

- «Oh, nein, » antwortete der Graf, während auf dem Diwan saß, den Kopf in den Händen, «er ist nicht zurückgekehrt, und das erschreckt mich sehr!»

Er erzählte ihm von der Erscheinung. Mein Großvater versuchte ihn zu beruhigen.

Er sagte ihm, dass es sich sicher um eine Halluzination handelte oder um eine Einbildung, er solle nicht an solche Sachen denken.

Nach zwölf Tagen bekam mein Großvater die Nachricht, dass der General gestorben sei, gerade an dem Morgen, an dem der Graf Orloff ihn gesehen hatte.

 

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