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Sind es Dämonen Verdammte oder Arme Seelen?
Anwesenheiten in unsere Nähe
Von Gabriele Amorth, dem obersten Exorzisten der Diözese Rom
Aus dem Buch: «Exorzisten und Psychiater» (Seite 169 – 194)
ISBN 3-7171-1092-6 Christiana Verlag /
Bestellmöglichkeit Tel.: 08671 – 12015 / Mediatrix Verlag, Altötting
Das Problem der Anwesenheiten
Das Thema, das ich in diesem Kapitel behandeln möchte, ist hochinteressant und in Italien auch durch einige Fernsehsendungen und Zeitschriftenberichte aktualisiert worden. Wir nennen es gewöhnlich «Das Problem der Anwesenheiten», das bedeutet: Ist es möglich, dass der Dämon einen Menschen quält, indem er sich der Seele eines Verdammten bedient, oder auch, ist es möglich, in den Personen, die wir exorzieren, die Anwesenheit von Seelen Verstorbener anzutreffen?
Es ist klar, dass dieses Thema nichts mit Spiritismus zu tun hat. Hier findet keine Heraufbeschwörung von Verstorbenen oder Geister statt; es sind jedoch Anwesenheiten, die sich im Verlaufe des Exorzismus bemerkbar machen. Man soll sich merken, dass auch diejenigen Exorzisten, die sich in solchen Fällen gegenüber sahen, ganz abgesehen von der Verschiedenheit der Erfahrungen, nicht beabsichtigen und auch nicht behaupten, diese Phänomene zu erklären: Es können natürliche Phänomene sein und da ist es wichtig, von Psychiatern angestellte Untersuchungen zu beachten, vor allem neuere Studien über Doppelungen oder Vervielfachung von Personen. Es sind freilich auch andere Erklärungen möglich.
Ausgehend von dem, was uns die Offenbarung mitteilt, sagten wir bereits, dass wir nur wenig über den Zustand und mögliches Tun der Seelen der Verstorbenen wissen. Wir berücksichtigen das, was die Konzilien von Lyon und Florenz darüber festgehalten haben, nämlich, dass die Seelen sogleich nach dem Tode entweder ins Paradies, ins Fegefeuer oder in die Hölle kommen. Das sind Definitionen, die klar besagen, dass die Zeit der Prüfung mit dem Tod abgeschlossen ist; sie lassen freilich viel Raum für weitere Untersuchungen und Interpretationen. Es ist auch damit nicht ausgesagt, dass das in allen Fällen so sei.
Das, was die reale Verfassung der Seelen ist, und das, was sie in dieser noch nicht endgültigen Phase zwischen dem Tod und der Parusie (der Wiederkunft Christi als Weltenrichter) bis zur Auferstehung des Fleisches und dem Jüngsten Gericht tun können, bleibt dem beobachtenden Studium und den Hypothesen offen.
Ich möchte daher betonen, dass die verschiedenen Erfahrungen von Exorzisten mit Interesse oder auch mit Neugier zur Kenntnis genommen werden können; sie können und wollen auch Gelegenheit bieten, biblisch-theologische Studien darüber anzustellen. In keinem Fall beabsichtigen sie jedoch, Erklärungen abzugeben oder Fakten zu verallgemeinern, die erst noch aufmerksam erwogen werden müssen und noch verschieden interpretiert werden können. Man denke beispielsweise an den wesentlichen Unterschied, der zwischen einer tatsächlichen Anwesenheit und einer okkultistischen Bindung besteht, auch wenn die Symptome bei beiden gleich zu sein scheinen.
Der französische Exorzist Pater René Crozet nimmt auf Grund seiner reichen Erfahrung an, dass eine Seele nicht allein von Seelen Verstorbener gequält werden kann, sondern auch von Lebenden: von dem Zauberer, der die diabolische Besessenheit hervorgerufen oder von der Person, die den Betreffenden zu dem Zauberer geschickt hat.
Ich zitiere auch die Meinung einiger wirklich authentischer Charismatiker, die ich darüber befragt habe. Sie sind verschiedener Ansicht, je nachdem, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Einige meinen, dass der Teufel sich der Seele eines Verdammten bedienen könne, um jemand zu quälen; andere meinen, dass auch von Seelen nicht Verdammter gequält werden könne.
Zweifellos müssen wir die im Rituale Romano in den Einführungsrichtlinien unter Nr. 14 enthaltene Mahnung ernst nehmen, mit der der Exorzist vor mögliche Tarnmanövern des Teufels gewarnt wird; das heißt, so sagt die Richtlinie, man darf dem Teufel nicht glauben, wenn er sich als die Seele eines Heiligen oder Verstorbenen oder für einen Engel ausgibt. Das ist eine heilsame Warnung, denn der Teufel versucht gerne, den Exorzisten zu täuschen; es handelt sich freilich nicht um eine absolute Regel.
Antworten von Exorzisten
Wir kommen schließlich zu den Antworten von Exorzisten, die sie auf die Frage gaben, welches ihre Erfahrung mit dem «Problem von Anwesenheiten» ist.
Ein Exorzist aus der Provinz Latium
Ich hatte verschiedene solche Fälle. Meistens traf die Warnung des Rituale zu: Nach wiederholten hartnäckigen Fragen kam die Anwesenheit des Teufels zum Vorschein, der versuchte, als die Seele eines bestimmten Verstorbenen zu erscheinen, dessen genauen Namen er angab. Manchmal hatte ich jedoch den Eindruck, mich einem Verstorbenen gegenüber zu sehen. Wenn er sich als Verdammter ausgab, gebot ich ihm streng, dorthin zu verschwinden, wohin Christus der Richter ihn bestimmt hat. Im entgegengesetzten Fall versprach ich ihm Suffragien (Anm.: Fürbitten, wenn es sich um leidende Arme Seelen des Fegfeuers handelte), suchte herauszufinden, ob er seine Sünden bereut habe und empfahl dann diese Seele bedingungsweise der Barmherzigkeit Gottes. Ich hatte Fälle, in denen diese vermeintlichen Seelen sich nicht mehr hören ließen, obwohl ich weiterhin Exorzismen vornehmen musste, und auch Fälle, in denen nach einiger Zeit diese Seele zurückzukehren schien, dann aber ganz und gar verschwand. Ich beschreibe diese Erfahrung so, wie sie auftauchte und ablief, ohne jede Absicht, irgendwelche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Unsere Exorzismen sind ja darauf gerichtet, die Seelen von der teuflischen Besessenheit oder von teuflischen Heimsuchungen zu befreien. Wenn wir während der Exorzismen besondere Erfahrungen machen, scheint es mir gut zu sein, das zu bezeugen; es ist jedoch nicht unsere Aufgabe, Schlussfolgerungen, die außerhalb unseres Amtes wären, daraus zu ziehen.
Ein sizilianischer Exorzist
Bezüglich des Problems der Anwesenheiten wollen wir uns auf die wirklichen Anwesenheiten beschränken und die eingebildeten des Patienten beiseite lassen, die sich dieser, vom Teufel genarrt oder auch, weil seine Psyche aus natürlichen Ursachen heraus verändert ist, selbst schaffen kann.
Was die Anwesenheit von Verdammten angeht, meine ich auf Grund meiner persönlichen Erfahrung, dass der Teufel sich auch verdammter Seelen bedienen kann, um lebende Menschen zu quälen, und zwar besonders solcher, die schon in ihrem eigenen Leben besessen waren. Die Lehrsätze der beiden Konzilien von Lyon und Florenz, in denen ausgesagt wird, dass die Seele sogleich nach dem Tode vor Gottes Gericht treten und entweder ins Paradies, ins Fegefeuer oder in die Hölle eingehen, steht dem nicht entgegen. Nichts hindert Gott daran, dem Teufel zu erlauben, Verdammte dazu zu benutzen, die in der Hölle unter seiner Herrschaft stehen und gewissermaßen selbst dämonisiert sind, auf Erden Lebende zu quälen.
Ich teile allerdings nicht die Meinung derer, die von herumvagabundierenden Seelen reden oder von Schattenseelen solcher Menschen, die durch gewaltsamen Tod umgekommen sind, die noch auf ihren endgültigen Aufenthaltsort warten und in der Zwischenzeit in lebende Menschen eingehen könnten; oder auch solche, die von Zauberern heraufbeschworen oder vom Teufel benutzt oder mit göttlicher Zulassung oder auch aus freien Stücken sozusagen eingebildetermaßen am irdischen Leben der Person, denen sie zugestellt sein sollte, teilnähmen. Diese Meinung verträgt sich auch schlecht mit den Aussagen der beiden vorhergenannten Konzilien.
Aber auch sie verdient eine vertiefte Untersuchung von Seiten der Theologen, um den Sinn (die mens), den die Konzilsväter herausarbeiten wollten, präzise zu erkennen, und welches die Reichweite der beiden Definitionen ist. Auch von Seiten anderer Gelehrter wäre eine Untersuchung willkommen, um mehr über den realen Bestand der so genannten psychischen Reste sowie über den vorgeblichen Perispiritus, den Doppelgänger oder den Astralkörper zu erfahren.
Was die Verstorbenen im Fegfeuer betrifft, so steht dem nichts entgegen, daß sie mit göttlicher Zulassung ihr Fegfeuer in Seelen noch Lebender verbüßen können, das heißt, in Menschen, die noch auf Erden leben. Aber auch diese Auffassung, die den Theologen des Mittelalters nicht fremd war, muss von den Theologen erwogen werden, um angenommen werden zu können.
Hinsichtlich einer wenigstens zeitweise Invasion noch Lebender in einen anderen, macht meine Erfahrung mich geneigt, das zu glauben. Es ist mir mehrmals passiert, während des Exorzismus die Anwesenheit des Geistes desjenigen Zauberers zu fassen, der die Verwünschung ausgesprochen hat und der immer noch in der Person wirkt, die er an sich gebunden hat. Man könnte da von einem Plagiat eines Lebenden sprechen.
Das Thema der Anwesenheiten umfasst auch die Untersuchung angelischer Anwesenheiten. Solche Anwesenheiten sind in den Schriften des Alten Testaments (Ezechiel, Daniel, Sacharja usw.) und auch im Neuen Testament (Evangelien, Apostelgeschichte, Apokalypse) häufig bezeugt. Auch die Hagiographie und die Erfahrung der Heiligen sprechen vielfach davon. Sie treten hingegen selten in der Erfahrung des Exorzisten auf und wenn, dann sind sie eher suspekt. Vielleicht hat die übrigens weise und immer noch gültige Richtlinie Nr. 14 des Rituale Romano einen Einfluss darauf. Der Teufel kann sich nämlich leicht als Engel des Lichtes verstellen und den Exorzismus in die Irre führen. Das Argument muss jedenfalls vertieft untersucht werden, denn Gott kann sich ja in der Führung vom Teufel heimgesuchter Menschen auch der Engel bedienen.
Ein Exorzist aus der Provinz der Marken
Das Thema ist bedeutsam, jedoch schwierig und gewinnt, wie ich sagen würde, immer mehr Ausfächerung. Die Vermutung, dass es sich wenigstens in vielen dieser Fälle nicht um wirkliche Teufel, sondern um herumirrende Seelen in Not handelt, taucht daher auf, daß es einen markanten Unterschied zwischen Besessenen und solchen, die bloße Anwesenheiten verspüren, gibt. In den Fällen von Besessenheit zeigen die Dämonen Gewalttätigkeit, Hass, Wut, eine Sprache von unglaublicher negativer Drastik und Kraft. Dagegen ist die Beziehung zu den Anwesenheiten niemals heftig, wenn auch häufig lästig. Manchmal ist die Beziehung geradezu von heiterer Ausgeglichenheit und auf das Anerbieten einer aufrichtigen Hilfe ausgerichtet. Vor ungefähr zehn Jahren war drei- oder viermal ein Mädchen zu mir gekommen, das ständig eine Anwesenheit verspürte, die sich ihr gegenüber jedoch sehr respektvoll und positiv im Sinne einer Hilfe und Erleuchtung verhielt. Als sie das letzte Mal kam, sagte sie mir: «Ich höre jetzt auf, zu dir zu kommen, denn der Geist empfiehlt mir sehr, ihn nicht zu vertreiben; er fordert mich auch auf, mich nicht zu verheiraten, weil er im Frieden mit mir leben will.» Und bis heute hat sie sich tatsächlich nicht verheiratet. Wie soll man also einen solchen Geist Teufel nennen? Sind es allein und immer nur Teufel, die sich dem Menschen auf trügerische Weise nähern, oder sind es umherirrende Geister von Verstorbenen, die keine Ruhe finden und nach ihrem Tode eine menschliche Gesellschaft suchen, manchmal zu einem positiven Zweck, manchmal allerdings zu zerstörerischen Zwecken?
Diese Frage hat für die Pastoral eine große Bedeutung. Der Exorzismus, den wir normalerweise auch in diesen Fällen anwenden, ist vielleicht nicht das geeignete Mittel, da er ausdrücklich gegen die rebellischen Engel gerichtet ist. Was soll man also da tun? Meine Erfahrung sagt mir, dass wir vielleicht, wenn wir solche Fälle mit dem Exorzismus behandeln, Luftstreiche ausführen. Was bedeutet denn und was nützt es zu sagen: «Weiche Satan!» wenn es sich nicht um den Teufel handelt?
Ich habe einmal ein Mädchen, das von Anwesenheiten belästigt wurde, zu einem befreundeten Exorzisten begleitet. Der Exorzismus hatte keine Wirkung. Das Interessante ist, daß ein Bischof mich ein Jahr später anrief und mir sagte, man habe ihm ein Mädchen gebracht, das er exorzieren sollte; er wollte den Exorzismus gemeinsam mit mir vornehmen. Es war dasselbe Mädchen. Aber auch bei dieser Gelegenheit bewirkte der Exorzismus nichts und das Mädchen wird weiterhin wie eh und je belästigt.
Ich bin der Auffassung, dass wir noch andere Wege ausprobieren müssen, außer der Feier der hl. Messe und den Gebeten; vielleicht solche, die aus den Gebeten für Verstorbene gewählt werden. Wir sollten unsere Erfahrungen über ähnliche Fälle auch austauschen.
Mir scheint es von fundamentaler Bedeutung, dass von Theologen die Bedeutung und Reichweite der Definitionen der Konzilien von Lyon und Florenz (das Letztere wiederholt die Aussage des Ersten) vertieft studiert werden, denen zufolge die Seelen der Verstorbenen sogleich (mox) ihren ewigen Bestimmungsorten zugewiesen werden, entweder denen des Heils oder denen der Verdammnis. Eine genaue Interpretation dieser Texte wäre vonnöten, wie es auch nützlich wäre, außerhalb des Exorzismus Formen der Befreiung zu erproben und deren Wirkungen mitzuteilen.
Ein venezianischer Exorzist
(Er stellt unmittelbar einen Fall dar.) Amelia ist eine Dame, die ich zufällig im Anschluss an eine von Erzbischof Milingo gefeierte Messe treffe, an der sie auch teilgenommen hat. Sie ist zweiundvierzig Jahre alt, Hausfrau, und hat zwei unter zwanzigjährige Kinder (Marco und Marzia); der Ehemann ist Arbeiter. Sie sind jetzt praktizierende Katholiken, was sie vorher nicht waren. Die Mutter wird mehr belästigt als die Kinder, der Ehemann ist hingegen ganz frei davon. Sie hatten ein altes Haus restauriert, das sie von übel beleumundeten Leuten gekauft hatten. Marco und Marzia werden belästigt; das Mädchen ist auch krank geworden. Ich stelle fest, dass die Mutter, die um die Kinder und das Haus besorgt ist, noch mehr als die Kinder belästigt wird: Sie hört Geräusche, verspürt Anwesenheiten und schlechte Gerüche. Bei dem ersten Exorzismus, den wir am Telefon vorgenommen haben, fiel sie zu Boden. Ich bin dann hingegangen, um in dem Haus die hl. Messe zu feiern, nachdem ich jeden Raum exorziert hatte.
Ich habe darauf Amelia in mein Büro gebeten, um in Ruhe mit ihr zu reden. Frage (F): «Im Namen und in der Vollmacht Christi, wer bist du, der da redet?»
Antwort (A): «Rinaldo.» (F): «Seid ihr nur Männer oder auch Frauen?» (A): «Beides.» (F): «Sind noch mehr von deinen Freunden bei dir?» (A): «Einige sind weggegangen, aber wir bleiben hier: wir sind früher als Amelia in dem Haus gewesen.» (F): «Aber hier in Amelia, wie viele seid ihr da?» (A): (Keine Antwort.) (F): «Um des Triumphs des Gottesreiches willen, antworten mir: Sag mir den Namen eines anderen Mannes, der mit dir zusammen arbeitet.» (A): «Mauro.» (F): «Wer ist die Anführerin der Frauen, die hier sind?» (A): «Anna.» (F): «Wann seid ihr in Amelia eingedrungen?» (A): «Als sie im vierten Monat mit Marco schwanger war.» (F): «Wann seid ihr in Marzia eingedrungen?» (A): «Als sie heranwuchs.» (F): «Als sie klein war, wann seid ihr da in sie eingedrungen?»
(A): «Das ist eine Frage der erblichen Belastung.» (F): «Der erblichen Belastung der Eltern oder der Großeltern väterlicherseits?» (A): (keine Antwort). (F):«Zur Ehre des Namens Gottes und nicht um meine Neugier zu befriedigen, sag mir: Ist der, der hier drinnen befiehlt, ein Dämon?» (A): «Das sage ich dir nicht.» - Ich wiederhole den Befehl; es wird keine Antwort gegeben. – (F): «Womit seid ihr in Amelia eingedrungen?» (A): «Ich bin neidisch.» (F): «Sind auch deine anderen Freunde neidisch?» (A): «Ja.» (F): «Dann kannst du nicht viel gegen sie ausrichten, denn sie steht fest im Glauben.» (A): «Ich wollte sie mit ihrer Familie umbringen, aber es war nicht möglich, weil sie immer in die Kirche ging und zuviel betete.»
Wir weisen darauf hin, dass Rinaldo Mauros Bruder und Annas Vater war; alle waren verstorben; sie waren die Eigentümer des von Amelia und ihrer Familie gekauften und restaurierten Hauses. Alle diese waren in dem Vorort, in dem das Haus sich befindet, übel beleumundet. Man sagte, dass sie sich mit magischen oder zumindest mysteriösen Praktiken beschäftigten; einer von ihnen gab sich der Sodomie (Geschlechtsverkehr mit Tieren) hin. Auch ihre Nachfahren schauen neidisch und hasserfüllt auf Amelia und ihre Kinder und beleidigen sie. Das Haus ist jetzt verkauft worden. Amelia, ihr Ehemann und ihre Kinder bewohnen nun ein neues Haus im Ortszentrum. Das neue Haus ist in keiner Weise heimgesucht; auch die «Kranken» sind auf gutem Weg der Besserung.
Ein englischer Exorzist
Ich interpretiere grundsätzlich die aus der Erfahrung resultierenden Gegebenheiten von der göttlichen Offenbarung her nicht etwa in umgekehrter Richtung die Offenbarung analog zu meiner Exorzistenerfahrung. Es ist bereits in Erinnerung gerufen worden, dass alle Verstorbenen sich entweder im Paradies, in der Hölle oder im Purgatorium (Fegfeuer) befinden.
Die Seelen im Fegfeuer (Anm.: Arme Seelen, die vor der Hölle gerettet sind, aber durch leiden eines „Feuers“ die Nachlässigkeiten und Unzulänglichkeiten ihres Erdenlebens, vor Gott abbezahlen müssen!) beten für uns und sind dankbar für unsere Gebete; es scheint also, dass sie daher gelegentlich den auf Erden Lebenden erscheinen dürfen, um Gebete zu erbitten (Anm.: Wenn man für Arme Seelen hl. Messen lesen lässt, kommt ihnen die größte Linderung in ihrem Leid zu!) oder auch um zu helfen oder zu danken. Wir würden allerdings ihren besonderen Status verkennen, wenn wir annähmen, dass diese Seelen Versuchungen oder Schaden hervorrufen oder auch Qualen verursachen würden. Sie sind heilige Seelen!
Während der Exorzismen behandle ich alle Geister, die Versuchungen, Schaden oder Qualen hervorrufen, a priori als Dämonen und nicht als Seelen von Verdammten und zwar aus diesen Gründen:
- Das Neue Testament scheint sie als solche anzusehen.
- Die Nr. 14 des Rituale Romano deutet in diese Richtung.
- Da die menschlichen Seelen der zur Hölle Verdammten so etwas wie Dämonen geworden sind, besteht kein großer Unterschied darin, sie als solche zu behandeln, selbst wenn diese Interpretation nicht ganz gewiss ist und korrigiert werden müsste.
- Es sind vor allem Spiritisten, die dazu neigen, bestimmte Phänomene als die Geister von Verstorbenen anzusehen.
In diesem Fall sehen sie die Seelen Verstorbener gewiss nicht als in das Paradies, in das Purgatorium (Fegfeuer) oder in die Hölle Verwiesene an.
In meiner Erfahrung als Exorzist kamen mir Fälle vor, die anfänglich Zweifel aufkommen ließen oder aufkommen lassen wollten; bald darauf ist freilich die Wahrheit herausgekommen. Wenn sich zum Beispiel die Stimme mit einer ungewöhnlich täuschenden Ähnlichkeit mit der einer verstorbenen Person vernehmen lässt, dann glaube ich nicht an die Anwesenheit dieses Verstorbenen, sondern an die des bösen Geistes, von dem er besessen war. Dann wende ich mich an ihn als bösen, mit NN. verbundenen Geist, aber nicht als Geist von NN.
Das hier von mir Geschilderte ist sicherlich nicht der einzige mit dem Glauben übereinstimmende Gesichtspunkt und ich würde mit Interesse die Auffassung anderer Exorzisten hierzu hören.
Ein apulischer Exorzist
Zu dem Problem der Anwesenheiten kann man, glaube ich, in folgenden Punkten mit Gewissheit antworten:
Ich verneine die Möglichkeit, dass der Dämon sich der Seele eines Verdammten bedienen kann, um von einer Person oder einem Ort Besitz zu ergreifen, denn es wäre für die noch lebenden Angehörigen eine ungeheure Qual zu wissen, dass ihr Verwandter unter den Dämonen ist. Das wäre lediglich eine vom Teufel veranstaltete Täuschung, um die noch Lebenden der Verzweiflung anheim zu geben. Ich erinnere mich dazu noch an das, was Pater Pio mir sagte, als ich ihm über meinen ersten Exorzismus berichtete, bei dem der Teufel mir gesagt hatte, zu viert in jenem Körper zu sein und dass alle diese vier Verdammte seien, deren Namen und Herkunftsorte er mir sogar angab, sowie auch die Todesart. Pater Pio antwortete mir heftig: «Lass dich nicht täuschen; sie sind nicht zu viert, sondern es ist nur einer; und es ist der Teufel selbst, der mit vielerlei Stimmen spricht und alle möglichen Haltungen einnimmt.»Als ich dem Teufel das ins Gesicht sagte, gab er zur Antwort: «Weißt du nicht, dass ich der Lügner von Natur bin?»
Dieser Begriff, der des immerwährenden Lügners, ist sehr gut in dem Film «Der Exorzist» dargestellt, als er sich unter der Gestalt der Mutter des Exorzisten tarnt, um den armen Priester in Schrecken zu setzen.
Ich habe meine Vorbehalte gegenüber den Erfahrungen der Charismatiker. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass da immer etwas Egoismus mitspielt und dass ihre Erfahrungen des öfteren ihrer Phantasie entsprungen sind. Ich verneine, dass die Seelen im Fegfeuer Personen oder Dinge belästigen können. Sie sind heilige Seelen. Vermeintliche Belästigungen durch Seelen aus dem Fegfeuer kommen mir unlogisch und unberuhigend vor. Was den Einfluss des Zaubers angeht, der die Besessenheit hervorgerufen hat, bin ich der Ansicht, dass der Zauberer diese Fesselung weiterhin aufrechthalten kann, die nichts anderes ist als eine teuflische Quälerei. Unsere Gebete haben ganz besonders die Aufgabe, diese Fesselung zu sprengen.
Ein piemontesischer Exorzist
Die Fernsehübertragungen vermehren entweder durch Unkenntnis oder durch den mangelnden Glauben ihre Sendeleiter nur in Verwirrung. Sie begreifen nicht, wie viele Menschen sie durch ihre Sendungen in jeder Hinsicht auf schlechte Wege und zu gefährlichen Erfahrungen führen.
Was die Seelen angeht und was die meisten übersehen, ist die Dauer des Aufenthalts im Fegfeuer (wenn man für sie überhaupt von einer Zeitdauer sprechen kann!). Die Kirche setzt dem Fürbittgebet keine Grenzen.
Der hl. Paulus versichert im 1. Korintherbrief 15,29: « Was tun sie denn, die sich da taufen lassen für die Toten? Wenn Tote (angeblich) gar nicht auferweckt werden, warum lassen sie sich noch taufen für sie?» Sie hielten also das Eintreten für die Verstorbenen für so wirksam, dass sie sogar noch die Taufe für sie empfingen.
Wer sich in irgendeine okkultistische Gruppe initiieren ließ, kann auch ausdrücklich aufgefordert worden sein, seine Seele oder Willen, sein Gedächtnis oder die Kräfte, mit denen er begabt worden ist, zu übereignen. Diese Abtretung kann er mit einem BLUTSPAKT, auch einem schriftlichen, oder mit anderen Riten bekräftigt haben, bei denen sogar Blut oder Sperma oder eine andere organische Substanz von einem Lebenden, einem Verstorbenen oder einem Opfertier getrunken wird. All das sind Riten, die einen unauflöslichen Kontakt, eine andauernde Bindung, eine vollständige Abhängigkeit besiegeln wollen. Ein Psychiater hat dafür die folgende Erklärung gegeben: « Der Zauberer oder derjenige, der okkulte Kräfte hat, hat eine Persönlichkeitsspaltung, die ihm gestattet, eine transferentiale Bindung (einen Transfer) zu der Person, die in seine Fänge geraten ist, herzustellen; diese nimmt die Persönlichkeit, die Gesten, das Gedächtnis, die Leidenschaften, die Vorlieben des Zauberers an. Sie erhält in allem die Befehle des Zauberers. Der Zauberer kann sie auch des Nachts durch Telepathie zu den seltsamsten Dingen benutzen, die der Betreffende dann geträumt zu haben glaubt.»
Wenn ich über eine solche Person bete, antwortet sofort der Zauberer aus ihr heraus, der sich gezwungen sieht einzugestehen, was er ihr angetan hat. Wir zwingen ihn mit der Kraft des Namen Jesu, jegliche Machtausübung über diese Person aufzugeben, die ihrerseits in der Weise mitwirken muss, dass sie energisch gegen diese Knechtschaft aufbegehrt. In solchen Fällen würde Pater Crozet vielleicht sagen, dass die Seele des Zauberers anwesend sei, wie auch in den Fällen von Besessenheit ein Dämon anwesend sein kann. Ich glaube, dass der Zauberer sich nur durch seine natürlichen und okkulten Techniken Anwesenheit verschaffen kann. Manchmal sind auch diese vermeintlichen Anwesenheiten des Zauberers lediglich eine Tarnung, unter der sich ein Dämon verbirgt.
Wir haben in gewissen Fällen mehrere Monate gebraucht, um die magischen Riten rückgängig zu machen und dann die Anwesenheit Satans festzustellen.
Deshalb denke ich, dass man nicht unbedingt die Möglichkeit einer Besessenheit durch Seelen Verstorbener annehmen muss, sondern dass es auch andere Erklärungen gibt. Bei einer anderen Gelegenheit ergab sich nämlich, dass es nicht die verstorbene Großmutter war, die die Eheschließung verflucht hatte, sondern dass es ein Dämon des Fluchs und des Hasses war, der die Großmutter benutzt hatte oder von dem diese besessen war, da sie sich selbst mit Okkultismus beschäftigt hatte. Und das ergab sich, obwohl der Befragte anfänglich geantwortet hatte: Ich bin die Großmutter.
Man müsste auch das Problem der Persönlichkeitsspaltung vertieft studieren; ich glaube jedoch, dass das mehr die Ärzte angeht. Auch das Phänomen der Leitgeister, die des öfteren sagen, Seelen Verstorbener zu sein, ist näher zu studieren. In Turin kennt man Nello Ricco, der den Leitgeist von Elvis Presley, der Selbstmord beging, zu haben behauptet. Ich glaube, dass es allenfalls ein böser Geist sein kann, von dem der Sänger Elvis Presley besessen war. Ein anderer Fall von Leitgeist, der sehr schlimm ausging, ist der eines Künstlers, der mit vierzig Jahren Selbstmord verübte. Die Familie eines Mädchens hatte ihr diesen wie einen Gott vorgestellt; in der Atmosphäre dieser vergötternden Bewunderung hatte das Mädchen eines Tages zur großen Freude ihrer Eltern entdeckt, dass sie den Geist dieses Künstlers hatte. Diese Begeisterung verflog freilich, als das Mädchen von heftigen Selbstmordgedanken versucht wurde. Die Befreiungsgebete hatten vollen Erfolg: In diesem Haus war die Vergötzung des selbstmörderischen Sängers verflogen Heute lebt das Mädchen gelassen und ausgeglichen ohne jeden Leitgeist.
Wir hatten auch Fälle von Heilern, die nach eigenen Aussagen diese Begabung von einer Generation auf die andere übertrugen. Sie behaupten, einen heiligen Vorfahren (einen männlichen oder weiblichen) zu haben, dessen Geist in der Familie bleibt. Ich glaube, dass es sich um Dämonen handelt, die, von der Familie vergötzt, die Möglichkeit haben, dort zu bleiben oder von einem Familienmitglied Besitz zu ergreifen.
Ein französischer Exorzist
Die Besessenheit, die Inkorporation eines dämonischen Geistes in einem Menschen, ist in sich ein wirkliches Geheimnis, das den Exorzisten auf die Probe stellt, der sich dabei dem bösen Feind Auge in Auge gegenübersieht. Diesem Geheimnis fügt sich ein Weiteres hinzu, wenn sich der böse Geist als die Seele eines Verdammten vorstellt, das heißt eines anderen Menschen, der jedoch der Verdammnis anheim gegeben ist; vor allem, wenn dieser Verdammte noch dazu ein uns vor seinem Tode wohl bekannter Zeitgenosse ist.
Ich habe mich persönlich oft in solchen Situationen befunden und glaube eher, dass es sich um eine List des Teufels handelt. Ich muss aber gestehen, dass das eine sehr subtile List ist, da der Exorzist sich nicht abgelenkt fühlt oder auf die Probe gestellt sieht, wenn er Auge in Auge dem Teufel gegenübersteht, aber sehr wohl dann, wenn der Besetzer-Geist behauptet, eine verdammte Seele, also ein Menschengeist zu sein, einer, der die gleiche Verfassung wie der Exorzist hat. Wenn er überdies seinen Namen nennt (einen bekannten oder unbekannten), seinen irdischen Stand angibt (vielleicht Mönch oder ein Priester war), wo er gelebt hat, die nicht bereute Sünde, die ihn zu Fall gebracht hat; und dann noch das Verhalten (des Mönchs, Priester oder Laien) während seines vorgeblichen Erdenlebens wieder annimmt, wobei er die Erinnerung an seine sündigen Taten zuweilen mit Entsetzensschreien und dem Ausdruck der Verzweiflung begleitet.
Solche Szenen sind sehr aufwühlend und stellen den Exorzisten wirklich auf die Probe. Aber es bleibt dennoch der Zweifel. Handelt es sich wirklich um eine verdammte Seele oder vielmehr um einen theaterspielenden Dämon, der jemanden nachäfft? Ich hatte wenigstens zwei präzise, sehr schmerzliche Fälle von satanischem Wirken durch eine solche verdammte Seele. Ich möchte nur einen davon berichten, gebe jedoch zugleich zu beachten, dass es sich bei dem berichteten Beispiel nicht um die Besessenheit eines Lebenden durch eine verdammte Seele handelt (was mir unmöglich erscheint), sondern vielmehr um eine charakteristische Aggression, was man gemeinhin Obsession (eine Wahnvorstellung) nennt. Hier nun der Fall:
Elena, eine sehr fromme Familienmutter, die sich ganz der Muttergottes geweiht hatte, war ungerechterweise ihres notwendigen Lebensunterhaltes beraubt worden. Sie erfährt, dass Eugenia, eine Frau, die sie nur vom Hörensagen kennt, schwer erkrankt ist. Diese Frau lebte allein stehend und hatte einen sehr schwierigen Charakter, weswegen ihre Familie sie nur schwer ertrug. Die Familie hatte sie wegen ihrer unheilbaren, zum Tode führenden Krankheit sich selbst überlassen. Eugenia glaubte hingegen nicht an Gott oder wollte jedenfalls nicht an ihn glauben und weigerte sich auch zu beten. Elena hatte in diesem Fall eine Gelegenheit erkannt, Gott zu dienen und widmete sich dieser kranken Person, die sich hartnäckig dem Glauben verweigerte. Sie wollte ihr körperliche und seelische Pflege angedeihen lassen und sie auf den Endkampf vorbereiten. Diese Situation hielt mehrere Monate lang an und erforderte häufig lange Hilfeleistungen bei Tag und bei Nacht.
Schließlich kommt die letzte Stunde heran, sehr schnell und überraschend. Die Kranke stöhnte in ihrem Bett und weigerte sich hartnäckig zu beten, während Elena ihren Rosenkranz durch die Finger gleiten ließ. Da erhebt sich die sterbende Eugenia zu Elenas Überraschung plötzlich auf ihrem Schmerzenslager, richtet den Blick auf einen bestimmten Punkt und sieht ganz eindeutig jemanden. Gleichzeitig richtet sich ihre rechte Hand auf diese Erscheinung und vollführt eine energische Abwehrgeste. Elena begriff sofort, dass es sich um eine Zurückweisung handelte. Aber wovon? Eine Zurückweisung Christi, der Madonna, wie es am wahrscheinlichsten war, oder aber des Teufels? Gleichzeitig richtete sich Eugenias Kopf ein wenig auf und ihre Augen verdrehten sich. Dann fiel sie tot auf ihr Bett zurück. Sogleich verbreitete sich ein Pestilenzgestank in dem Zimmer, den auch Elena in unerträglicher Weise in ihren Körper eindringen fühlte.
Sobald es ihr möglich war, benachrichtigte Elena die Familie und setzte sich dafür ein, den Leichnam der Verstorbenen abholen zu lassen. Bis die zivilrechtlichen Angelegenheiten erledigt waren, hielt sie Totenwache, während die benachrichtigte Familie lediglich an der materiellen Erbschaft interessiert war. In der Folge wurde Elena häufig tagsüber oder nachts, vor allem in der Todesstunde Eugenias von einer mächtigen teuflischen Aggression heimgesucht, die von heftigen Schmerzen begleitet war. Ich musste viele Male einen Exorzismus an ihr vornehmen und viele Messen für die Verstorbene feiern.
Das sind die Fakten. Sie lassen sich nun auf gegensätzliche Weise deuten:
- 1. Eugenia hat in der entscheidenden Stunde das Heil abgewiesen; sie ist seitdem voll infernalischen Hass. Weit entfernt davon, ihrer Wohltäterin dankbar zu sein, will sie auch diese in das Reich der Finsternis (in die Hölle) ziehen. In diesem Fall würde es sich um eine verdammte Seele handeln, die eine heiligmäßige Person angreift.
- Oder 2. Eugenia hat sich dank Elenas Gebeten, Opfern und ihrer Hingabe allen äußeren Anzeichen zum Trotz (abweisende Gesten, verdrehte Augen, Gestank, Elenas schreckliche Schmerzen) im letzten Augenblick ihres Lebens, über den man nichts Genaues aussagen kann, demütig an den Heiland gewandt. Daher Satans Wut, der geglaubt hatte, sie für immer zu besitzen und sich deshalb an Elena rächt.
Ein Exorzist aus Kampanien
Auf Grund der gemachten Erfahrungen und meiner Reflexionen darüber bin ich davon überzeugt, dass es sich bei den Besessenheiten und den Begleitphänomenen immer und allein um irgendeinen Dämon handelt, nicht um die Seele eines Verdammten. Man weiß, dass der Teufel der Lügner und Betrüger von Anbeginn ist (vgl.: Rituale Romanum im Anh. S.221).
Mir ist es manchmal passiert, dass der teuflische Geist durch die besessene Person sich für Hinz und Kunz ausgab; aber das war Schwindel. Während eines Exorzismus fing eine exorzisierte Person zu weinen an und bat um Gebete und eine fürbittende Messe. Ich glaubte ihr nicht und führte den Exorzismus fort mit dem Ergebnis, dass sich dieses Ansuchen als eine Inszenierung herausstellte, um den Exorzismus zu verhindern: Da ist der böse Geist in Flüche und zotige Schmähungen ausgebrochen.
Der Teufel hat nur die Gewalt, die Gott ihm gewährt. Gott gewährt sie ihm freilich immer zu seiner Ehre und um die Liebe offenbar werden zu lassen, die Er zu den menschlichen Geschöpfen hat, die Er alle retten will.
Der Teufel möchte sich eine Macht anmaßen, die er nicht hat, also die Seelen der Verdammten nach seinem Belieben zu handhaben und zu benutzen. Es ist jedoch nicht möglich, dass er alles tun kann, was er will. Er ist trotz allem einzig und allein und immer dem göttlichen Willen unterworfen. Folglich handelt es sich bei den von mir genannten Phänomenen allein und immer um den Teufel; aber er agiert stets nur in den Grenzen, die ihm die göttliche Gerechtigkeit und Güte erlauben.
Ein amerikanischer Exorzist
In vielen von mir behandelten Fällen fand ich, dass es sich sicherlich um Seelen Verstorbener handelte, die beschworen werden konnten und die sich wegen ihrer dämonischen Besessenheit weiter an einem bestimmten Ort aufhielten und die dort lebenden Menschen quälen wollten.
In einem Fall handelte es sich um die Seelen eines Mannes und zweier Frauen, die in einem Hause gestorben waren. Sie hatten eine Zeitlang die dort wohnende Familie gequält. Unsere Exorzismus-Gebete, die von unschätzbarem Wert sind, greifen jedoch im Fall solcher Seelen manchmal nicht. Man müsste einige der Gebete, die wir für Verstorbene sprechen, hierfür adaptieren, zugleich aber zu diesen gequälten Seelen sprechen, sie fortschicken und verstehen lassen, dass die Familie, die zu quälen sie kommen, ihnen gegenüber keinen Groll nährt und ihnen verzeiht. Ich versuche diese Seelen im Verlaufe des Gebets in das Licht Christi zu führen, wo Gott nach seinem Willen an ihnen handeln möge.
Es ist eine erwiesene Tatsache – wir kennen das auch aus den Berichten vieler Exorzisten und von Berichten anderer aus der Geschichte, aus der Anthropologie und aus anderen Religionen –, dass nicht alle Seelen nach ihrem Tod unmittelbar in das Paradies, das Fegfeuer oder die Hölle kommen. Einige bleiben wegen ihrer materiellen Anhänglichkeiten oder ihrer Ressentiments oder Hassgefühle gegenüber anderen «hängen» oder deswegen, weil sie sich selbst dem Teufel verschrieben haben. Gelegentlich kann man auch entdecken, dass man bei diesen gequälten Seelen einem Dämon begegnet. In einer solchen Situation muss man klug vorgehen, denn man hat da wirklich Gelegenheit, eine solche Seele zu befreien, andernfalls kehrt sie bei dem Kampf, der sich entfesselt, zu dem Dämon zurück. Der Teufel ist Meister der Lüge und versucht so weit wie möglich zu täuschen. Unsererseits sollten wir immerhin erkennen, dass der Herr aus besonderem Grund zulässt, dass sich solche Situationen ergeben und dass wir daraus Nutzen für unsere Erkenntnis ziehen Können.
In den letzten Jahren scheinen es in der Mehrzahl der Fälle solche Seelen zu sein, die besessen waren und die der Teufel benutzt oder sich ihrer bedient hat, um Einzelne oder ganze Familien zu quälen oder zu schrecken. Zuweilen hat sich herausgestellt, dass das auf eine frühere Verwünschung der Familie zurückging.
Ich füge noch an, dass nur der Exorzist durch den Exorzismus in zweifelhaften Fällen unterscheiden kann, ob es sich um eine teuflische Heimsuchung oder um eine Geisteskrankheit handelt. Wir müssen uns nämlich immer auf die Anzeichen und beobachtbaren Phänomene stützen oder auch auf stillschweigende Herausforderungen, wie beispielsweise die hl. Eucharistie auf dem eigenen Körper zu tragen, ohne dass jemand es weiß. Wir müssen Acht geben, denn wir leben und arbeiten in einer Welt, in der der Teufel die Kraft der Kirche zu zerstören sucht, indem er das Priestertum Christi zerstört. Wir müssen auch mit unseren ärztlichen Kollegen vertrauensvoll zusammenzuarbeiten suchen.
Ein Exorzist aus der Provinz Latium
Was das Problem der Anwesenheiten betrifft, habe ich immer auf Grund meiner armseligen Erfahrungen behauptet, dass es sich um den bösen Geist handelt, und zwar in den wenigen Fällen von Besessenheit, wie auch in den vielen Fällen, in denen Personen oder Räume heimgesucht werden. In einem einzigen Fall erklärte der Geist, eine verdammte Seele zu sein, wobei er Namen, Zunamen, Todesumstände und den Grund seiner Anwesenheit in jenem Manne angab. Aber im Anschluss an einen erfolgreichen Exorzismus habe ich nichts mehr darüber erfahren. Wie soll man den Fall interpretieren? Der Teufel kann sich auch als verdammte Seele tarnen, wie das Rituale versichert. Was die Armen Seelen im Fegfeuer angeht, so sind sie heilige Seelen und können nichts Böses antun.
Ein Exorzist aus Kampanien
Man fragt sich, ob diejenigen, die eine Seele leiden lassen, immer allein Dämonen sind oder ob sie auch verdammte Seelen sein können. Auch wenn ich berücksichtige, dass der Teufel uns zu betrügen sucht, halte ich das Einwirken verdammter Seelen für möglich. Wir wissen, dass auch die Dämonen ihre eigene Hierarchie haben; warum sollte ein Oberteufel nicht einen Verdammten befehlen, eine Seele zu quälen? Ich leite das auch aus Fällen ab, in denen ich auf eine geringere Gegenkraft gestoßen bin als bei der Anwesenheit von Dämonen. Es gibt herumirrende Seelen, die noch nicht ihre endgültige Bestimmung erhalten haben. Ich referiere eine außergewöhnliche Episode, von der ich eine Tonbandaufnahme habe. Einmal stellte sich mir eine Dame vor, die unter seltsamen Schmerzen litt. Ich bete, da gerät sie wie in einen Trancezustand. Ich frage nach der vermeintlichen Anwesenheit in ihr: «Sag mir im Namen Gottes, wer bist du?» Da kommt ohne Zögern die Antwort auf meine Fragen. Er sagt, ein Albaner aus kalabresischer Herkunft zu sein. Er sei an einem Allerseelentag in betrunkenem Zustand am Steuer eines Autos nach Kalabrien gekommen, wo er bei einem Autounfall umgekommen sei und noch einen anderen dabei getötet habe. Ich bemerkte, dass er in Schrecken gerät, wenn ich von der Hölle spreche. Ich frage: «Bist du in der Hölle?» Da sagt er heftig: «Nein.» «Wo bist du denn?» «Im Dunkeln.»
Ich bin verblüfft. Ich frage ihn, wie er in diese Frau eingedrungen sei; da erwidert er mir mit einer ausführlichen Geschichte, die die Dame mir, als sie aus dem Trancezustand zurückkehrt, bestätigt.
Er sagt, er sei durch den Friedhofswärter dazu gezwungen worden, der sich Teile seines Leichnams für einen Zauber angeeignet hatte. Ich fragte ihn, ob er Gott sehen wolle. Da antwortet er mit einem lang gezogenen, sehnsüchtigen Ja, ganz ohne jede Verzweiflung. Einmal sprach ich zu ihm von der Allerseligsten Jungfrau Maria; er kannte sie nicht und sagte mir sogleich, dass seine Mutter Carmelina geheißen habe. Ich begann, ihm Unterricht zu geben; er hörte mit Interesse zu. Da kam mir Zweifel, ob er wirklich «im Dunkeln» (in der hebräischen Scheol?) sei. Auf die Frage, ob er bereit sei, Gott für seine Sünden um Verzeihung zu bitten, antwortete er mit Ja. Da habe ich ihm eine etwas allgemeine Beichte abgenommen und habe ihn bedingungsweise absolviert. Dann fragte ich ihn, wann er ausziehen würde? «Nach etwa zwanzig Tagen», erwiderte er. «Und wo wirst du dann hingehen?» «Zur Sühne.» Vielleicht ins Fegfeuer? Als die Dame an dem Abend nach Hause kam, sagte die Person ihr ganz deutlich: «Ich habe dich viel leiden lassen, aber es war nicht meine Schuld. Wenn ich im Himmel sein werde, werde ich viel für dich beten.» Der Fall gibt große theologische Probleme auf. Ich denke jedoch an den hl. Franziskus, der die Rückkehr ins Leben einer im Stande der Todsünde gestorbenen Frau erlangte, die darauf bei dem Heiligen eine Beichte ablegte und dann im Frieden entschlief.
Ein piemontesischer Exorzist
Unsere Gebetsgruppe, die sich der Befreiung und der Heilung von Familien und deren Stammbaum widmet, macht sehr positive Erfahrungen. Wenn wir beispielsweise von einem Vorfahren hören, der sehr viel gelitten und dessen Leiden, dessen Verzweiflung, dessen schrecklichen Tod keiner beachtet hat (im Allgemeinen handelt es sich um solche, die gehasst wurden, die ein Schrecken waren, Ablehnung, Verfluchung erfahren haben oder unter Alkohol gestorben sind, über die die ganze Familie in Scham und Schweigen verharrte; die als lebendig Begrabene ins Irrenhaus gebracht wurden, solche, die keiner kannte), dann erinnern wir uns an sie einfach im Gebet und befragen dann selbst diese Personen; wir glauben, dass alles, was sie zu ihrer Heilung benötigen, ihnen dann im Namen Jesu gewährt wird
Zuweilen tauchen darauf wie in einem Gedächtnisblitz oder in einem Bild diese Personen auf. Wir sprechen dann ein Versöhnungsgebet für sie nach folgenden Schema: Wir bitten sie im Namen der Familien oder derer, die sie im Stich gelassen, verkannt, umgebracht haben, um Vergebung. Wir laden sie ein, allen Hass und alle Rachsucht abzulegen und ihrerseits um Vergebung zu bitten für die Beleidigungen, die sie anderen zugefügt haben, zusammen mit uns Gott um Vergebung für ihre Sünden zu bitten. Wir erteilen ihnen Unterricht über das ewige Leben, das sie erwartet und laden sie ein, zu Füßen des Kreuzes Jesu alle mitgeschleppte Schuld und jede Bindung an die okkulte Welt niederzulegen. Kurz und gut, wir verhalten uns so, als ob wir ihre Todesstunde noch einmal herbeiholen könnten, damit sie sie in rechter Weise noch einmal erleben, vor der ganzen Familie, von den geliebten Menschen, der Kirche mit all dem begleitet, was diese einem unter solchen Umständen Sterbenden gewähren müssten. Dabei stellen wir immer eine unmittelbare Antwort der befreienden Erleichterung in der Familie oder bei dem Familienmitglied, das am meisten unter dieser vergangenen Familientragödie leidet, fest. Und wir bemerken auch manchmal ganz stark die Fürsprache des Vorfahren, dem auf diese Weise geholfen wurde.
Dieses Thema ist sehr schön, aber auch sehr heikel. Wenn man es nicht in der rechten Weise behandelt, kann man in Phänomene von Totenbeschwörung geraten, statt eine Solidarität mit dem Verstorbenen herzustellen. In unserer Gruppe haben wir streng darauf Acht und dieses Missverständnis taucht nicht auf.
Davon zu unterscheiden ist der Fall, wenn eine angebliche Seele, die gar nicht zu der Familie gehört, durch die Leidende um Hilfe bittet. In den beiden hauptsächlichsten Fällen, die uns vorkamen, verhielten wir uns wie folgt: Im ersten Fall fragten wir, warum sie uns um Hilfe bat. Sie erwiderte, weil sie denselben Vornamen wie die Leidende hatte; sie bat um Begräbnis, sagte jedoch gleichzeitig, sie wolle nicht sterben, weil die Angehörigen sie erwarteten. Sie erklärte, zwanzig Jahre alt zu sein; dann verfluchte sie Hitler, der den Krieg gewollt hatte, usw. Darauf haben wir geantwortet: «Jesus allein ist Richter und wir gehorchen ihm. Wenn du wirklich existierst, wie du sagst, wollen wir dich mit Liebe begleiten und dir Fürbittgebete und Begräbnis schenken. Wenn du nicht existierst, geben wir all das denen, die sich unter diesen Umständen befinden und feiern eine hl. Messe für sie.» Das typische Phänomen, das dann auftritt, ist, dass wir einen eisigen Wind verspüren und die leidende Person sehen, die von dieser Qual befreit wird.
Der zweite Fall hat sich bei einer schwer besessenen und behexten Person gezeigt; sie war lange Zeit von einer Zauberin abhängig gewesen. Auch hier war das Vorgefallene nur von sekundärer Bedeutung im Vergleich zu der Befreiung von den teuflischen Anwesenheiten. Die (leidende) Person hatte eines Tages einen Kosaken gesehen, der wie ein Verzweifelter daherritt, verfolgt vom Hass seiner Feinde, die sich an ihm gerächt hatten; sein Verrat hatte viele Menschen das Leben gekostet. Er bat um Vergebung und Hilfe, um im Frieden leben zu können; er wünschte ein religiöses Symbol auf seinem Grab zu erhalten, das verlassen und verflucht worden war.
Auch in diesem Fall verhielten wir uns wie in dem vorigen: Die Vision und die Belästigung verschwand darauf. Der Angelpunkt (gemäß dem, was der Kosak erklärte) war, dass die Leidende der einzigen von ihm geliebten Person sehr ähnlich war.
Die Schlussfolgerung daraus soll sein, dass wir keine Schlussfolgerung daraus ziehen wollen. Es genügt uns, eines der vielen Probleme, die sich uns Exorzisten stellen können, aufgezeigt zu haben, die wir nur bezeugen können in der Hoffnung, dass andere (Bibelexegeten, Theologen, Ärzte) eine Erklärung dafür abgeben können oder sie zumindest untersuchen.
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- Das warnende Zeugnis des Amerikaners - Ein Priester wird verdammt >
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Wie beichte ich richtig?
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