ANNA KATARINA EMMERICK

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SANCTA ECCLESIA CATHOLICA

 

Anna Katharina Emmerick

(* 1774 - † 1824)

Visionen

über das Fegfeuer, Arme Seelen und die Hölle

Ihr Umgang mit den Armen Seelen

Von Thomas Wegener

Aus dem Buch: «Das Leben der Anna Katharina Emmerick» (Seite 176 – 186)

ISBN 3-7171-0933-2 Christiana-Verlag

Bestellmöglichkeit Tel.: 08671 – 12015 / Altötting

Anna Katharina Emmerick; die wahrscheinlich größte Visionärin der deutschen Geschichte, nach deren Visionen auch der im Jahre 2004 erstaufgeführte Film «Die Passion Christi» entstand; schildert in der nachfolgen Vision über das Fegfeuer, die Armen Seelen und der Hölle, dem Leser in einer anschaulichen und ermahnenden Sprache, die Spätfolgen und Auswirkungen der Sünden gegen Gott und seine Gebote der Liebe. Diese Zeilen sollen den Leser dazu inspirieren; seine «Dinge und Sachen auf Erden», solange wir auf dem Weg zum Gericht sind, wie uns die mahnenden Worte des Evangeliums sagen; in Ordnung zu bringen, und jede Form von Feindschaft, Hass und Unfrieden, vor Ablauf der uns gegebenen Zeit beizulegen, und uns zu Versöhnen, mit Gott, Kirche und unserem Nächsten [durch ein reumütiges Bekenntnis unserer Schuld in einer umfangreichen Beichte].

 Wie mit der himmlischen Kirche, ebenso lebendig stand Anna Katharina im Verkehr mit den leidenden, d. h. mit den Armen Seelen im Fegfeuer. Wunderbar bestätigt sie durch ihr Leben die innige Gemeinschaft der Bewohner des Himmels, der Armen Seelen im Fegfeuer und der Pilger auf Erden, dieser Gemeinschaft der Heiligen, wie der Glaube sie nennt, unter Christus als Haupt, ihrem gemeinsamen Erlöser, ihrem gemeinsamen Ziel. Wie sehr hat sie durch Beten und Opfern die Lehre der Heiligen Schrift wahrgemacht : «Gott hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm « (1 Kor 12,24-27).

So klar wird uns durch die Tatsachen ihres Lebens der Glaubenssatz vor Augen geführt, dass wir als Pilger auf Erden imstande sind, genugtuende Werke für die Armen Seelen zu ihrer Befreiung zu verrichten, dass aber mit dem Tod jedes Verdienen für unseren und für den Nutzen anderer gänzlich aufhört. Die Mitglieder der drei Reiche können aber immer füreinander zu Gott bitten und ihm ihre Liebessorge für das Wohl der anderen vortragen.

Es heißen darum die Seelen im Fegfeuer die «Armen», weil sie nur leiden, nichts aber zu verdienen vermögen, um ihre Leiden zu mildern; und darum verlangen sie so sehr nach unserer Hilfe. Wir aber gewinnen durch das Wirken für sie doppelten Lohn, einmal den der guten Werke vor Gott und den anderen der sie begleitenden Nächstenliebe. Zudem werden die Armen Seelen die seufzenden und im Himmel die glorreichen Fürbitter für uns. In jedem von Glaube und Frömmigkeit durchdrungenen Herzen findet sich auch wegen der Nächstenliebe das Wirken für die Armen Seelen, und weil Nächstenliebe gleichsam das Leben der Anna Katharina war, so gewahren wir bei ihr auch in hervorragender Weise die Liebe zu den Armen Seelen. Ihre gänzliche Hilflosigkeit und Verlassenheit waren es, die das Mitleid Anna Katharinas von jeher geweckt hatte. Dagegen kannten die Armen Seelen durch Gott die Bereitwilligkeit ihres opfernden Herzens. Sie erschienen ihr, um Hilfe bittend, oder riefen aus dem Fegfeuer zu ihrem Herzen. Um ihren Liebeseifer noch mehr zu entzünden, wurde sie häufig, besonders um die Zeit des Gedächtnistages Allerseelen, von ihrem Engel oder von Heiligen ins Fegfeuer selbst geführt, wo sie durch den Anblick des Ortes der Trauer und der Leiden zu neuen Genugtuungen ermutigt wurde. Ja, sie sollte hier die besonderen Werke erfahren, welche die einzelnen Armen Seelen bedurften, z.B. die vernachlässigten heiligen Messen, die nicht erfüllte Bußen und Gelübde, die Rückerstattung ungerechten Gutes, des fremden wie auch des Familiengutes. Sie musste die Lebenden auf Erden durch geistige Einwirkung an die Erfüllung ihrer Verpflichtung gegen ihre verstorbenen Angehörigen ermahnen. Auch wurde ihr gestattet, im Fegfeuer selbst die Armen Seelen durch Zuspruch zu trösten. Das Vernachlässigen oder Einziehen von Stiftungen für Seelenmessen nannte sie einen grausamen Diebstahl an den Ärmsten der Armen.

Anna Katharina schildert das Fegfeuer als ein großes Reich voll Trauer und Pein. Die Zustände der Armen Seelen sind aber je nach der Größe und der Art ihrer Schuld ganz verschieden. Im äußersten Fegfeuer ist Finsternis; hier können die bösen Geister eindringen, um die Seelen durch stetes Ängstigen wegen ihrer Sünden zu quälen. Andere Orte sind heller. Die einen Seelen sind eingekerkert, andere können sich bewegen; die einen sind allein, andere in Gemeinschaft. Die Strafen sind äußere, wie auch geistige, wenn wir es nach irdischen Anschauungen ausdrücken. Sie sah im Fegfeuer schreckliche Peinigungsorte, nur durch die Zeit von der Hölle verschieden. Die äußeren Leiden erkannte sie als solche, welche den irdischen körperlichen entsprechen. Sie sah Seelen gegeißelt, von Hunden zerfleischt, von Feinden misshandelt werden; in Ketten, im Blocke liegen, eingemauert sein; Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Entbehrungen, Not, Angst, Verlassenheit ausstehen. Die seelischen Leiden bestehen je nach den Sündenarten in Gewissens- und Herzensqualen. Lauheit und Trägheit in Erfüllung der Pflichten wird zu bitterstem Harm über die verlorene Zeit der Gnade; Leichtsinn wird zum Gefühl unerträglicher Fessel; das Bewusstsein, wie leicht und viel sie auf Erden hätten für sich wirken können, wird zum quälenden Verlangen, welches sie durch nichts befriedigen können. Denn sie können nichts verdienen, sondern nur in dunkler Trauer und innerster Verlassenheit harren und leiden. Hieraus ergibt sich selbstverständlich, wie sie von Verlangen nach Hilfe und Rettung gleichsam verzehrt werden, in diesem Sinn lässt die Kirche sie uns zurufen: «Erbarmt euch meiner, erbarmt euch meiner, wenigstens ihr, meine Freunde; denn die Hand des Herrn hat mich getroffen.»

Nur eines ist tröstlich in ihnen – die Hoffnung auf einstige Erlösung. Auch erbauen sie sich gegenseitig durch Geduld und Nächstenliebe. Sie nehmen gegenseitig teil an ihrer Lage und empfinden Trost und Freude, wenn Seelen aus ihrer Mitte erlöst werden oder auch nur zu leichteren Graden der Reinigung gelangen. Die Seelen treten je nach der Zeit ihrer Reinigung aus den Stufen größerer Strafen in gelindere über, z.B. aus der Einkerkerung in eine Gemeinschaft, aus der Finsternis in einen Ort, welcher farblos und trübe wie Nebel ist. Es wird für sie immer lichter bis dort, wo schon Engel zu ihnen hinabsteigen, um sie zu erquicken.

Die Armen Seelen, welche schon in höheren Graden der Reinigung sind, besitzen von Gott die Freiheit, ihre Liebe dadurch zu bestätigen, dass sie den Armen Seelen in den niederen Leidensgraden zu ihrer Tröstung sowie auch frommen Menschen auf Erden erscheinen können. Diese vermögen sie zu beeinflussen, dass sie einen noch besseren Lebenswandel führen, wie auch, dass sie den Armen Seelen im Fegfeuer und den unglücklichen Sündern, ihren Mitmenschen, und endlich der Kirche in ihren Nöten durch Gebete und gute Werke zu Hilfe eilen. Anna Katharina hat oft solche Beispiele erlebt. Arme Seelen stellten die Not der Kirche vor. Die Seele einer Mutter bat sie, ihre lebende Tochter vom Sündigen abzubringen. Die Seele eines Ehemannes bat sie, seine noch lebende Frau auf den rechten Weg zu bringen, da sie einen falschen Prozess führe und alle inneren wie äußeren Ermahnungen durch leichtsinnige Zerstreuungen und Vergnügungen vergeblich mache. Außer anderen Fällen noch dieser: Ihre leibliche Mutter erschien ihr dreieinhalb Jahre nach ihrem Tod und führte sie an einen schmerzvollen Ort des Fegfeuers, um sie für diese Seelen um Hilfe zu bitten. Wie herrlich erscheint hier das von der Natur geschlungene Band der Liebe zwischen Mutter und Tochter, übernatürlich verklärt durch die Liebe beider zu ihren Nächsten!

Anna Katharina hatte umso größeres Mitleiden, je ärmer sie die hingeschiedenen Seelen erkannte. Solche schienen ihr jene zu sein, welche wegen ihrer Sünden sehr verschuldet waren. Sie bewunderte hierbei die ganz unbegreifliche Barmherzigkeit Gottes [siehe auch auf dieser Website: «Die Botschaft Jesu, an Schwester Faustina, über die Göttliche Barmherzigkeit»], welche sie an der Rettung einzelner ausgeübt sah, und sagte, dass nichts wirklich Gutes, welches auf Erden noch im Menschen sei, verloren gehe, sondern dass alles Gute [Sie meint hiermit den Gnadenstand von Menschen, die zwar lau und gleichgültig gelebt, sich aber vor Todsünden bewahrt haben.] zum Licht gelange, alles Böse zur ewigen Finsternis [der Hölle]. Als besonders arm und verlassen erkannte sie diejenigen Seelen, welche auf Erden vergessen sind, ferner solche, welche wegen ihrer tugendhaften Eigenschaften von den Hinterbliebenen der Fürbitte für nicht bedürftig erachten, und noch mehr solche Seelen, deren Tugenden auf Erden über Gebühr gelobt werden. Sie sieht überhaupt jedes unmäßige Lob als Beeinträchtigung der Seelen, gleich ob sie noch auf Erden leben oder schon im Fegfeuer sind.

Die Seelen der ungetauften Kinder christlicher Eltern, ferner die Seelen der Christen, welche von der Kirche getrennt lebten [Anm.: …eine Warnung vor dem Kirchenaustritt und einer Lebensführung in permanenter Gotteszurückweisung!], endlich auch die Seelen der Juden und Heiden, welche Gott wegen ihres sittlichen Wandels hat gnädig sein können, sieht sie, eine jede Klasse am eigenen Ort beisammen, und zwar als sehr arm und verlassen, weil sie alle des Anteils an den Gnadenschätzen der Kirche, namentlich des heiligen Messopfers, entbehren.

Je verschuldeter eine Seele ist oder je weiter sie im Leben von der Gemeinschaft der Heiligen wirklich getrennt war, umso schwieriger ist es für Anna Katharina, für sie zu wirken. Sie bittet dann einzelne Heilige, mit ihr ins Fegfeuer zu gehen, für die Seelen zu bitten, während sie Gott das Verdienst der Heiligen für die Seelen aufopfert. Ja, Gott ließ es oft zu, dass die Heiligen des Himmels, welche selbst nicht mehr für die Armen Seelen und die Menschen verdienen, wohl aber Gott für ihr Wohl bitten können und Lebende zu Liebeswerken für andere anzuspornen vermögen, gerade Anna Katharinas liebestätiges Herz hierzu aufsuchten. Hiervon einige Beispiele:

Ein Jesuit in himmlischer Seligkeit, bei welchem sie in der Jugend gebeichtet hatte, führte sie zu seiner Schwester ins Fegfeuer. Durch Anna Katharinas Hilfe erhielt diese Erleichterung. Eine himmlisch verklärte Frau, welche in ihrem Leben Anna Katharina gekannt hatte, erschien ihr und bittet sie, für ihren noch lebenden Mann und dessen zweite Frau, welche beide in Sünden lebten, zu wirken, damit sie sich bekehrten. Anna Katharina nimmt diese Liebestätigkeit auf sich und erwirkt ihre Bekehrung. Ein Kind im Himmelsglanz der Taufgnade tritt vor sie und sagt: «Ich danke dir für die Taufe, sonst wäre ich zu den Heiden gekommen.» Eine Frau in Geburtsnöten hatte nämlich Anna Katharina still in ihrem Herzen um ihr Gebet angefleht. Diese vernahm ihre Stimme in ihrem Herzen. Auf ihr Gebet zu Gott erhielt das schon in Todesgefahr schwebende Kind die Nottaufe. Das Kind starb nach der Taufe. Anna Katharina sagte, diese unschuldigen Kinder vermöchten viel im Himmel bei Gott, aber man rufe sie zu wenig an. Auch wusste sie, dass Gott gern Hilfe sende, damit keine Kinder ungetauft sterben, aber man bete nicht darum. Anna Katharina hatte in dieser Hinsicht oft Bilder von erflehter Hilfe.

Gott hat den Grad ihrer unerschöpflichen Nächstenliebe damit anerkannt, dass er sogar zuließ, dass protestantische und jüdische Seelen erschienen, um ihre Hilfe anzurufen. So erschien ihr die Seele einer armen Jüdin und bat sie, mit ihr in den Seelenort der Juden zu gehen. Der Ort war ganz abgesondert. Sie fand dort die verschiedensten und jammervollsten Zustände, jedoch war sie sehr gerührt, manche nicht ewig verloren zu sehen; sie sprach zu ihnen vom Messias. Die sie aber dort sah, waren arme Juden auf Erden gewesen. Die Seele der Jüdin bewegte Anna Katharina auch, dass sie sich der lebenden Juden annehmen möge, damit sie sich bekehrten und besserten. Sie führte Anna Katharina sowohl in der Nähe als auch in der weiten Welt herum, damit diese durch ihre Erscheinung auf die Juden einwirkte. Durch innere Mahnung ängstigte sie eine Jüdin in Coesfeld, welche eine Betrügerin war, so dass sie sich entschloss, zur Sühne ihrer Betrügereien Leinen an arme Christen zu geben. Dieses Almosen wirkte versöhnend für ihre Sünden. Ein Gleiche Wirkung brachte sie bei einer Judenfrau in Dülmen hervor. Vom Rabbiner daselbst aber sagte sie, sie habe ihm auf keine Weise nahen können, da er gar keine Sphäre von Gnade habe, sondern wie versteinert sei. In einer großen Judenstadt hatte sie viele fromme Juden rühren können, so dass diese bewegt zusammenkamen und darüber sprachen, der Messias müsse gekommen sein. Am Berge Sinai hatte sie Juden schrecken müssen, dass sie Pilger und Christen nicht ausraubten. Übrigens klagte sie, dass man sich so wenig um die Bekehrung der Juden kümmere.

Anna Katharina wirkte das ganze Jahr für das Fegfeuer, jedoch erkannte sie die Zeit um Allerseelen als die Zeit der besonderen Erbarmungen des himmlischen Vaters. Auch Heilige, insbesondere der heilige Augustinus, forderten sie vor dem Allerseelentag zu besonderen Eifer auf, um zu diesem viele zur Seligkeit aufsteigen zu sehen. Ihre Werke waren das Gebet, die Anrufung der Heiligen, die Aufopferung ihrer Verdienste, die Zuwendung der Früchte des heiligen Messopfers und der heiligen Kommunion sowie die Ablässe.

Ferner sagte sie, dass es ein besonderer Trost für die Armen Seelen sei, wenn wir die Bekämpfung unserer Leidenschaften für sie aufopfern, die Abtötung der Sinnlichkeit, die Unterdrückung von Zorn und Ungeduld, auch die Übung jeglicher Tugenden, der Verzeihung und des herzlichen Wohlwollens gegen den Nächsten, weil dadurch dasjenige an ihnen gesühnt werde, weshalb sie Strafe erleiden. Ihr Engel leitete sie selbst an, die geduldige Ertragung von Ärger und Leid, das ihre Lebensverhältnisse ihr so reichlich bereiteten, den Armen Seelen aufzuopfern. Sie tat es voll Begierde, ihnen zu helfen, in sanftmütiger Liebe. Ferner erflehte sie sich auf sich körperliche Leiden für jene und erhielt auch solche nach Art der Leiden der Seelen. Sie fühlte sich z. B. in Schmerzen gefesselt und konnte sich nicht rühren; sie verschmachtete in Fieberhitze, konnte aber nicht trinken, und ähnliches. Schon auf dem Weg zum Feuer ließ Gott sie Leidensarbeiten für die Armen Seelen ausführen, indem sie durch Dornen, Wasser, Schnee usw. die Hindernisse und Peinen einer natürlichen Reise, welche man zu Fuß macht, zu ertragen hatte. Überhaupt opferte sie all ihr Gebetswirken und Leiden, zu welchem Zweck dasselbe auch sonst geschehen mochte, zugleich für die Armen Seelen auf. Sie erkannte, dass letztere unsere Opfer in Gegenliebe Gott wieder für uns darbringen, so dass diese wegen des sie begleitenden doppelten Liebesaktes Gott besonders wohlgefallen und in gleicher Weise sowohl für die Armen Seelen als auch für uns wirksam werden.

Endlich verrichtete sie für sie besondere Werke der Genugtuung, um welche sie von jenen gebeten wurde, z. B. den Ersatz für Versäumnisse, für ein Ärgernis usw. Eine Arme Seele bat sie, Almosen für eine Anzahl Hemden zu sammeln und diese an die Armen auszuteilen. Für Geistliche musste sie im Weinberg, zwischen spitzen Pfählen arbeitend, sühnen, was jene vernachlässigt hatten. Solches ersetzend, arbeitete sie im Geiste und erlitt es am Körper. «O, es ist traurig», sagte sie, «dass so wenig den Armen Seelen geholfen wird. Jedes für sie aufgeopferte Werk, Almosen oder Leiden, kommt ihnen augenblicklich zugute. Sie sind dann so froh, so selig, wie ein Verschmachtender, dem ein frischer Trunk gereicht wird. Priester können ihnen durch das andächtige Beten des Breviers Sühne bringen, auch können sie die Armen Seelen segnen, und dieser Segen dringt wie erquickender Tau ins Fegfeuer.» Anna Katharina bat ihren Beichtvater oft, dies zu tun. Engel sind es, welche ihnen die Genugtuung mitteilen, die auf Erden in Liebe für sie geschehen. Engel sind es auch, die sie bei ihrer Erlösung aus dem Fegfeuer in den Himmel führen. Ihre graue Gestallt wird aufsteigend lichter und glänzender, bis sie in ihrer ganzen Glorie in die Seligkeit eintreten. Anna Katharina sah oftmals dieses Aufsteigen als Lohn ihrer Liebesopfer und hörte jubelnde Stimmen: «Wir danken dir, wir danken dir!»

Sie gelangte zum Fegfeuer am Nordpol der Erde. Sie reiste mit ihrem Engel zuerst gegen Morgen bis zum Ganges. Hier steigt sie die Erde immer höher und höher hinauf (Himalaja-Gebirge).Sie wird dann gegen Mitternacht geführt, kommt durch das Urland Dschemschids, schaut Gebirge voller Affen. Sie steigt allmählich nieder, kommt in ein kälteres Land, wo hässliche Menschen mit langen Haaren wohnen und mit Hunden fahren; lang gestreckte Tiere mit kurzen Füßen und langen Ohren liefern ihnen Pelze als Kleidung (Sibirien). Ein noch nördlicheres Land ist voll Morast und Wildnis; hie und da sieht sie noch elende Menschen mit eingedrückten Nasen. Sie gelangt dahin, wo keine bewohnte Erde mehr ist. Es geht immer mehr hinab, wird immer nebliger und kälter, bis ein Meer kommt voll von Eisbergen. Die Erde fällt nunmehr ganz steil ab und ihr Umkreis ist sehr eng. Sie sieht die Erde wie ein Ei, nicht wie eine Kugel. Gegen Mitternacht fällt sie steil ab, gegen Morgen erscheint sie am längsten. Sie kommt zuletzt über einen Wulst von Metall, und der Ort des Fegfeuers liegt wie ein halber schwarzer Zirkel vor ihr. Sie steigt zum Fegfeuer wie unter der Erde nieder.

Die Hölle

Auf demselben Weg wurde sie von ihrem Engel zu dem Ort der Hölle geführt. Am Nordpol steigt sie unter die Erde und gelangt unterhalb des Fegfeuers nach der Mitte der Erde hin zu dem Ort des Schreckens. Als sie einmal in den unaufhörlichen Schmerzen, die sie erduldete, verzagt zu Gott flehte, er möge ihr doch auch einen ruhigen Tag schenken, weil sie sich wie in der Hölle vorkomme, erhielt sie von ihrem Engel einen Verweis, indem er zu ihr sprach: «Damit du deinen Zustand nicht mehr mit der Hölle vergleichst, will ich dir die Hölle zeigen.» «Wenn ich gedenke, was ich hier gesehen», äußerte sie, «so zittere ich noch am ganzen Leibe.» Der Gesichtskreis war immer Nacht, ein Ort von unendlichen Qualen.

Sie erkannte die Planeten als Aufenthaltsorte von bösen Geistern, und zwar sah sie in gewissen Kreisen um die Erde neue Körper, wie entfernte Sterne, von Geistern verschiedener Natur bewohnt. Sie erhielten diesen freieren Aufenthaltsort auf den Gestirnen, weil sie beim Sturz eine Art Reue gehabt hatten [siehe auch auf dieser Website: «Mi-cha-el / hebräisch – wer ist wie Gott?» Der Engelssturz in der Vision der Therese von Konnersreuth]; beim allgemeinen Gericht werden sie in die Hölle eingeschlossen. Auch halten sich solche Geister auf dem Mond und den Kometen auf. Diese Geister sind es, welche auf die Erde kommen, auf die Menschen sehr eindringen und in ihnen falsche Gelüste und Gedanken erwecken. Sie stiften gegen die Kirche Gottes Böses an sowie Aufruhr und Krieg unter den Menschen. Auch sind sie es, welche die Seelen im Fegfeuer quälen. [Vgl. Eph 2,2 und Eph 6,12, wo der Apostel sagt, dass wir es mit den Geistern der Bosheit in der Luft zu kämpfen haben.]

Sie sah ferner viele böse Geister in der Luft und vieles auf Erden von ihrem Grimm verderbt. Ferner erkannte sie, dass viele verdammte Menschen an einsamen, wüsten Orten und an den Stellen ihrer Untat in Qual auf Erden und bis zum Weltgericht verweilten. [«Die Seelen der Verdammten erscheinen selten», sagt der heilige Augustinus, «jedoch kann auch dies geglaubt werden, dass sie zuweilen erscheinen, um die Lebenden zu warnen

Und ihnen Schrecken einzuflößen. Man kann hier eine Art Bilokation (die Fähigkeit an zwei Orten gleichzeitig zu sein) annehmen, in dem sie in der Hölle sind und zugleich an dem Ort ihrer Verbrechen.»]

 

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